DIE ZEIT

Lancashire hat sich beunruhigt und nervös an das Parlament und an die britische Öffentlichkeit gewandt: Das Gespenst Japan, das durch den Krieg für immer gebannt zu sein schien, ist wieder am Horizont aufgetaucht! Lancashire, das ruhige Zeiten und ein leichtes Exportgeschäft erwartet hatte, sieht die Welt mit billigen japanischen Textilwaren überflutet. In Beantwortung der Klagen von Lancashire hat Sir Stafford Cripps auf zwingende Notwendigkeiten hingewiesen, wie die Grundgedanken des Artikels 11 der Potsdamer Erklärung. Dieser sieht vor, daß Japan nach Abmontierung der Rüstungsindustrie die Industriezweige behalten werde, die zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft und zur Zahlung der Reparationen notwendig sind. Die nähere Ausführung dieses Programmpunktes liegt bei der Fernöstlichen Kommission in Washington.

Großbritannien wird in seiner Stellungnahme, wie die Erklärung von Cripps und andere Verlautbarungen vermuten lassen, in diesem Ausschuß wenig von den Exportsorgen der eigenen Textilindustrie, jedoch mehr von den volkswirtschaftlichen Gegebenheiten Japans ausgehen, das als ein Volk von 80 Millionen und bei dem Mangel an Rohstoffen durch Export seine Rohstoffeinfuhr bezahlen müßte. Die britische Regierung scheint aber anderseits gewillt zu sein, den Sorgen von Lancashire wegen eines japanischen Dumpings Rechnung zu tragen.

Dies Gespenst des japanischen Dumpings ist älteren Datums; es trat nach der Abwertung der japanischen Währung im Herbst 1931 in den Vordergrund des Interesses. Die japanische Ausfuhr stieg von 93 Millionen Yen 1931 auf 219 Millionen Yen im Monatsdurchschnitt 1936, – als sich eine gewisse Normalisierung ergab. Diese Exporterfolge sind vor allem auf drei Momente zurückzuführen. Einmal sind die japanischen Ausfuhrzweige junge Industrien, die die Erfahrungen alter Industrien anderer Länder übernehmen; somit viele Kosten sparen und auch beim Aufbau ihrer Absatzorganisation rationell vorgehen können. Zweitens können bei den sozialen Verhältnissen, bei dem dürftigen Lebensstandard und der sklavenartigen Mentalität der Arbeiter die Lohnkosten niedrig gehalten werden. Drittens erleichterte vor dem Kriege die Yen-Entwertung zeitweilig die Ausfuhr.

Von diesen Momenten wird das dritte wohl künftig nie mehr eine Rolle spielen und das erste im Laufe der Zeit an Bedeutung verlieren. Nur das zweite, das sogenannte soziale Dumping, behält ein gewisses Gewicht. Dies soziale Dumping befürchtet. Lancashire vor allem. Hier hat Cripps eine internationale Kontrolle als Ausweg vorgeschlagen; aber die Kreise von Lancashire bezweifeln, daß eine solche Kontrolle möglich sei. Sie sind sehr besorgt wegen... der Zukunft der britischen Textilwarenausfuhr, falls, womit anscheinend zu rechnen ist, die japanische Textilindustrie weitgehend freie Hand erhält. drgr.