Die vor kurzem in Koblenz veranstalteten "Französischen Filmtage" boten Gelegenheit, die französische Filmproduktion durch eine Schau repräsentativer Filme kennenzulernen. Darüber hinaus zeigten sie die Möglichkeiten für eine künftige Filmproduktion am Rhein auf. Der französische Unterstaatssekretär für Informationswesen, Bichot, der in Schloß Calmuth bei Remagen, vierzig Kilometer von Koblenz rheinabwärts, die im Rohbau aufgerichteten Gebäude für Synchronisation einweihte, kündigte an, daß hier im nächsten Jahr auch eine deutsch-französische Produktion lebendig sein würde. In Koblenz wurde bei der Eröffnung der Ausstellung "50 Jahre in Film" die Gründung der "Internationalen Film-Allianz" bekanntgegeben, die das Ziel hat, die deutsche und französische Filmarbeit zu vereinigen.

Bisher hatte der Film in der französischen Zone nicht die Möglichkeiten wie beispielsweise in der amerikanischen oder in der russischen, wo in Berlin und München Ateliers erhalten blieben. Man hatte nur die in Filmtheatern und Gaufilmstellen lagernden deutschen Filme zur Verfügung, die dem Publikum wieder gezeigt werden. Welches Bedürfnis nach Filmvorführungen besteht, zeigt die Zahl von 440 Filmtheatern, die heute wieder spielen. Neben den Filmen der alten deutschen Produktion stehen die Kopien von etwa hundert zum Teil synchronisierten ausländischen Filmen zur Verfügung, die der Filmverleih Rhein-Donau vermittelt.

Unter den französischen Filmen, die jetzt im Rahmen der Filmtage in Koblenz gezeigt wurden, befanden sich einige der kürzlich auf der Internationalen Filmtagung in Cannes ausgezeichneten Werke, so der nach einer Idee von Andrè Gide gedrehte preisgekrönte Film "La Symphonie pastorale" von Jean Dellanoy. Man sah außerdem "Der Nachtigallenkäfig" ("La cage aux rossignols") von Noel-Noel, der zugleich die Hauptrolle spielt, den ausgezeichneten Film "Le revenant" ("Der Schatten der Vergangenheit") von Christian Jaques mit Louis Jouvet und "L’éternel retour". Man sah "Panik" von Julien Duvivier, "Der Idiot" nach Dostojewskij (Regie Georges Lampin), die "Symphonie fantastique" mit Jean-Louis Barrault, endlich "La belle et la bete" von Jean Cocteau. Be-– sondere Aufmerksamkeit schenkte man den Filmen von Jean Cocteau, Marcel Carné und Christian Jaques, die nach Emigration ihrer großen Kollegen Duvivier, René Clair und Peyder in die USA ihre Chance genutzt haben.

Die in Koblenz aufgezeigten neuen Möglichkeiten zu einer Filmherstellung am Rhein stellen nicht allein die Verwirklichung künstlerischer Pläne in die nahe Zukunft, sondern auch kommerzielle. L.