Zu den Plänen, die auf eine Zerschlagung des bisherigen Bankensystem hinauslaufen, wird uns von befremdeter Seite die folgende Stellungnahme verfüglich gemacht.

Es kann heute keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die Organisation unseres Geldwesens in dieser trübsten Zeit unseres Landes eine Belastungsprobe ohnegleichen bestanden hat -Von der Filialbank bis zur kleinsten Sparkasse, unter schwierigsten äußeren Verhältnissen, größtenteils in zerstörten Räumen, haben Angestellte und Leiter den Zahlungs-, Überweisungs- und Kreditverkehr aufrechterhalten und damit nach der Kapitulation die Existenzgrundlage für Hunderttausende von Menschen und für ungezählte Betriebe fürs erste sichergestellt.

Erleichtert wurde diese Aufgabe durch die verständnisvolle Haltung der Militärregierung, die das Geldgewerbe zwar mit der Durchführung der finanziellen Militärgesetze mit Auflagen belegte, es auch in-seiner Geschäftsgebarung scharf kontrollierte, ihm aber sonst innerhalb gewisser Grenzen freie Hand ließ. Das verhinderte freilich nicht, daß man sich schon frühzeitig kritisch mit der Struktur des deutschen Geldwesens befaßte. So bestimmte Absatz 12 Abschnitt B der wirtschaftlichen Grundsätze der Berliner Konferenz, daß zum frühest möglichen Zeitpunkt die deutsche Wirtschaft zum Zwecke der Ausschaltung der zu starken Konzentration der Wirtschaftskraft dezentralisiert werden sollte. Unter der Voraussetzung der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands sollten nach Abschnitt 14 der Berliner Konferenz gemeinsame politische Richtlinien, u. a. für Währung und Bankwesen, aufgestellt werden.

Ihren ersten positiven Niederschlag fanden diese Grundsätze in dem im November 1945 veröffentlichten amerikanischen. Dodge-Plan (nicht zu verwechseln mit dem kürzlich bruchstückweise bekanntgegebenen Währungsplan gleichen Namens), für den allerdings die Voraussetzungen der Reichseinheit und der Zonengemeinsamkeit nicht erfüllt waren. Neben der Gründung von Landeszentralbanken in Groß-Hessen, Württemberg-Baden und Bayern, der Schaffung neuer Aufsichtsorgane in den Ländern und in der USA-Zone sah dieser Entwurf zunächst eine Dezentralisierung der Filialbanken nach Ländern vor mit dem Endziel der Rückbildung auf den Status von Land- und Stadtkreisen.

Dieses so weitgehende Projekt war in die Form einer "Empfehlung" gekleidet, der sich zunächst die regionalen Landesbehörden von Groß-Hessen mit aller Energie annahmen. Ein Gesetzentwurf hierzu, der schon im Januar 1946 vom großhessischen Finanzministerium ausgearbeitet worden war, kam jedoch über die ersten Erörterungen nicht hinaus, da sich sofort die großen Schwierigkeiten einer solchen Zielsetzung offenbarten. Trotz schärfsten Druckes, der auf die beteiligten Banken ausgeübt wurde, scheiterte man an der Macht der gegebenen Tatsachen. Es verblieb die befohlene Emanzipation der Bankniederlassungen in der USA-Zone die dem Weisungsrecht ihrer bisherigen Zentralenentzogen wurden. Später wurde der Dezentralisierungsgedanke in Stuttgart und München erneut aufgegriffen und ein Meinungsaustausch zwischen den Länderregierungen und den beteiligten Banken eingeleitet.

In der Kontrollratssitzung vom 21. Oktober wurde jetzt ein amerikanischer Entwurf vorgelegt, der die Auflösung der Zentraldirektionen der größten deutschen Banken und ihre Rückbildung auf den Status von Länderbanken unter der Bedingung vorsah, daß gleichzeitig der Beschluß zur Bildung eines alliierten Bankenrates und eines zentralen Bankenausschusses gefaßt würde. Die britischen und die amerikanischen Delegierten stimmten diesem Plan zu, der französische Delegierte gegebenenfalls auch ohne die erwähnte Bedingung, während der Sowjetdelegierte auf der sofortigen Auflösung der deutschen "Bankmonopole" bestand, wie dies in den Potsdamer Beschlüssen vorgesehen sei. Den Wunsch anderer Delegationen, die Frage der Abschaffung übermäßiger Machtkonzentration im Bankwesen mit der Errichtung einer zentralen Bankbehörde zu verkoppeln, betrachte die sowjetische Delegation als einen Versuch, die Entscheidung über die deutschen "Monopole" hinauszuschieben und diese dadurch aufrechtzuerhalten. Die Meinungsverschiedenheiten spitzten sich also im wesentlichen auf den Zeitpunkt für die Schaffung einer zentralen deutschen Bankbehörde zu, über den keine Einigung zu erzielen war, so daß der Punkt von der Tagesordnung des Kontrollrats abgesetzt wurde.

Durch diese Diskussion ist insofern eine Klärung erreicht worden, als sich die britische Militärregierung, von der bisher eine Äußerung hierzu fehlte, mit der vorgeschlagenen Aufgliederung der Banken einverstanden erklärt hat, allerdings unter dem Vorbehalt der gleichzeitigen Schaffung eines "zentralen Bankenausschusses", womit offenbar eine neue Zentralbank gemeint ist, die man als Voraussetzung für einen Umbau der Banken ansieht. Aber selbst bei deren Vorhandensein scheint bei unserer jetzigen Lage und der Empfindlichkeit des Bankenapparats höchste Vorsicht und Behutsamkeit am Platze zu sein. Der Vorbehalte, denen man die Berechtigung sieht ohne weiteres versagen kann, werden von beteiligter deutscher Seite viele gemacht. Welche Wege man bei der Dezentralisierung auch einschlagen mag, immer würde eine Überleitung der Verbindlichkeiten der alten Banken auf andere Gebilde erforderlich sein, die nicht erzwungen werden kann, wie sich Vertrauen überhaupt nicht erzwingen läßt, die aber zu Geldumschichtungen führen könnte, denen der vorhandene liquide Fundus nicht gewachsen ist. Eine solche Kreditorenübertragung müßte aber auch von der gleichzeitigen Anschaffung der Deckungsmittel begleitet sein, – die die Leitungen der Empfängerinstitute vermutlich nicht in der Form von Forderungen an die früheren Berliner Zentralen oder in Reichstiteln entgegennehmen würden.