Typisch für die Haltung der Republikanischen Partei in USA ist wieder ihr altes Symbol, der Elefant, der behäbig, gelassen, sich der Wucht seiner Persönlichkeit bewußt, seinen Weggeht, aber manchmal doch zu langsam ist oder sich eine Blöße gibt, was der ihm folgende Esel, das Wahrzeichen der Demokratischen Partei, benutzt, um vorbeizuhuschen und das Rennen zu machen. Der Elefant läßt sich auch dadurch nicht beirren, denn er weiß, daß er dem Esel bald wieder einen heftigen Hieb versetzen kann – wie bei den diesmaligen Wahlen.

Dies Symbol des Elefanten ist; auch typisch für die Republikanische Partei als Partei von Big Business. Wir wollen damit nicht sagen, daß die großen Konzerne auf die Demokratische Partei keinen Einfluß haben. Vielmehr ist jeder Konzern bemüht, die Politik beider Parteien zu bestimmen, aber die Kreise von Industrie und Handel stoßen in der Republikanischen Partei auf weniger Widerstand als in der Demokratischen mit ihrem starken Linksflügel und kommen somit stärker zur Geltung, wenn die Republikanische Partei in der Führung ist. Dieser Einfluß von Big Business auf die Republikanische Partei stört die Parteimitglieder wenig, denn republikanisch wählen nur diejenigen, die genügend Geld in der Tasche haben und der Über- – zeugung sind, daß es allen um so besser geht, je freier die Wirtschaft sich betätigen kann.

Big Business wird somit jetzt auf dem Wege über die Republikanische Partei in der amerikanischen Politik den Ton angeben und dabei auf keinen Widerstand mehr stoßen, wenn, womit zu rechnen ist, 1948 ein republikanischer Präsident, gewählt wird. Aber bis 1948 wird sich Truman, im Gegensatz zu Wilson nach dem republikanischen Wahlsieg 1918, den Tendenzen von Big Business kaum allzusehr widersetzen.

Aber warum antwortete Wallstreet auf den republikanischen Wahlsieg mit einem erheblichen, wenn auch nur kurzfristigen Kurseinbruch? Dies erklärt sich daraus, daß Amerika heute in einer fast anomalen Angst vor einem Rückschlag lebt und diese Gefahr überall vermutet. Diese Angst ist dem Außenstehenden unverständlich. Das Jahreseinkommen der Amerikaner hat mit 170 Milliarden Dollar und die Zahl der Beschäftigten mit 58 Millionen einen neuen Rekordstand erreicht. Die Bevölkerung verfügt über flüssige Mittel von 130 Milliarden gegen 50 vor dem Krieg. Eine mehrjährige Hochkonjunktur erscheint als das Selbstverständlichste. Aber die Amerikaner kommen anscheinend von der Vorstellung nicht los, daß es nach allen Kriegen einen schweren Rückschlag gab und sind wie hypnotisiert, wenn gewisse Anzeichen diesen Rückschlag anzukündigen scheinen.

Wenn diese amerikanische Angst vor einer Krise und das damit gegebene Unsicherheitsmoment nicht wären, dann könnte man im Ausland im Hinblick auf die zu erwartende amerikanische Hochkonjunktur gewisse Schattenseiten gering achten. Diese sind einmal darin zu sehen, daß die Republikanische Partei die traditionelle Partei der Hochschutzzölle ist. Die Pläne der demokratischen Regierung und Partei auf Abbau der Zölle, Ausbau der Handelsbeziehungen und Gewährung von Krediten ans Ausland werden sicherlich jetzt eine Nachprüfung erfahren und keineswegs in der ursprünglichen Form verwirklicht werden. Kurzfristig wird sich aber vor allem unangenehm bemerkbar machen, daß im Wahlkampf die sogenannte fleischlose Zeit eine zu große Rolle gespielt hat. Die Republikaner müssen jetzt der amerikanischen Bevölkerung "Fleischgelage" bieten können. Sie können es an sich auch, weil genügend Vieh vorhanden ist. Aber für Lieferungen für Europa und andere Länder bleibt dann wenig oder nichts. W. G.