Die USA werden Anleihen nicht an Staaten geben, die daraus eine wirtschaftliche "Versklavung" befürchten, sondern vorzugsweise an Länder, die den Vereinigten Staaten freundlich gesonnen sind. Sie lehnen aber damit keineswegs Anleihen für solche Länder ab, die zum russischen Einflußgebiet gehören.

Mit diesen Worten hat Außenminister Byrnes die Grundlinie der amerikanischen Kapitalexportpolitik umrissen. Er hat sich damit zugleich zu den – Vorwürfen geäußert, daß die USA erneut eine "Dollardiplomatie" betrieben und ihre Kapitalstärke im imperialistischen Sinne benutzten. Solche Behauptungen wurden ausgelöst durch die Schwierigkeiten, die Polen und die Tschechoslowakei bei ihren Anleiheverhandlungen mit den USA hatten. Polen mußte sich gegen drei Vorwürfe verteidigen: Erstens, daß unzutreffende Berichte über die Anleiheverhandlungen im Lande selbst veröffentlicht worden seien, weiter, daß die amerikanischen Korrespondeten einer Zensur unterworfen seien, und drittens, daß über Wirtschaftsabkommen Polens, mit andern Staaten, keine Auskünfte zu erhalten seien. Die USA brachen ferner die Verhandlungen mit der Tschechoslowakei ab, weil über Entschädigungen zugunsten amerikanischer Bürger und Firmen keine Einigung zu erzielen war.

Dabei tauchte der Begriff; der "Quarantänelinie" auf. Die unter russischer Besatzung stehenden Länder östlich dieser Linie würden, so hieß es, keine Anleihen bekommen, wobei neben der Tschechoslowakei und Polen noch Jugoslawien, die Ukraine und Weißrußland genannt wurden – von dem Plan einer "Großanleihe" an die Sowjetunion ganz zu schweigen. Westlich dieser "Quarantänelinie" aber würden sogar, so hieß es weiter, Anleihen an ehemalige Feindstaaten gegeben. Italien erwartet zum Beispiel von der Export-Importbank eine Anleihe von 100 Mill. und Österreich eine solche von 50 Mill. Dollar. – Diese Meldungen eilen aber den Ereignissen voraus. Die USA haben zum Beispiel erklärt, daß sie diese Anleihen in der Schwebe lassen, bis die Reparationsleistungen beider Staaten entschieden seien. Dagegen hat Griechenland zwei Anleihen von 25 und 65 Mill. Dollar, erhalten.

Byrnes gibt nun also zu, daß die Anleihepolitik der USA einen gewissen politischen Charakter hat. Vor allem soll sie bestimmte wirtschaftspolitische Bedingungen durchdrücken. So war es auch schon bei den Anleiheabschlüssen mit Großbritannien und Frankreich. Aldrich von der Chasebank sprach kürzlich von vier Grundsätzen: Abbau der Handelsschranken, Stabilisierung der Währungen, Beseitigung der Devisenkontrolle für laufende Zahlungen und "isländische Kreditpolitik nach privaten, nicht also nach staatlichen Gesichtspunkten. Auf diese Grundsätze sollen die Staaten bei Abschluß einer Anleihe verpflichtet werden. Die Amerikaner selbst wollet dem letzten Gesichtspunkt dadurch Rechnung tragen, daß sie an die Stelle der staatlichen Kreditinstitute, wie der Export-lmportbank, private Kapitalgeber treten lassen. Zu den privaten Kapitalgebern rechnen sie allerdings auch die Weltbank, weil diese sich ihre Mittel zum Teil durch Zeichnung von Emissionen bei Privaten beschaffen müsse. drgr.