Für die Bewohner der britischen und der amerikanischen Besatzungzone, besonders aber für die Bewohner der sowjetischen Zone, liegt die französische Besatzungszone in einer etwas nebelhaften Ferne. Kürzliche Meldungen über recht aktive Außenhandelsbemühungen dieser Zone mit der Schweiz und den Niederlanden, ganz abgesehen von dem erheblichen Güteraustausch mit Frankreich selbst, lassen die Aufmerksamkeit verstärkt auf die französische Besatzungszone fallen. Daß sie die gleichen Schwierigkeiten hat, die zumindest in den übrigen Westzonen vorhanden sind, beweist eine Verlautbarung über scharfe Stromeinschränkungen.

In einem Leitartikel nennt der "Manchester Guardian" die französische Besatzungszone Deutschlands "eine Zone der Überraschungen", da sie als einzige Zone eine ausgeglichene Zahlungsbilanz aufweise, obwohl sie weder eine geographische noch wirtschaftliche Einheit sei und auch kein Verwaltungszentrum besitze. Das Zonengebiet sei fast gleichmäßig zwischen Landwirtschaft und Industrie aufgeteilt. 10 v. H. der deutschen Kohle würden hier gefördert, 45 v. H. der Schuh- und Lederindustrie befinden sich in ihr; 20 v. H. der Chemieerzeugung werden in dieser Zone gewonnen und 45 v. H. aller Präzisionsinstrumente hergestellt. Sie verfüge über einen Überschuß an Tabak und Wein, jedoch fehlen ihr alle Arten von Lebensmitteln; es müssen Weizen aus den USA, Zucker aus Kanada und Kartoffeln aus Frankreich kommen.

Die britische Zeitung ist der Ansicht, daß die französischen Behörden mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln viel erreicht hätten. Während die Ruhr nur 40 v. H. ihrer Vorkriegskapazität fördere, liefere das Saargebiet 50 v. H. der Erzeugung von 1939. Die Gaggenauer Eisenindustrie habe mehr als die Hälfte ihrer Kriegsleistungen erreicht; Daimler-Benz beschäftige wieder 62 000 Arbeiter und produziere mehr als hundert Wagen im Monat. Chemikalien, Holz, Kraftstrom, Werkzeugmaschinen, Textilien, Musikinstrumente, Uhren und bezugsfertige Häuser seien die Exportposten. ww.