Die Moderne steht allenthalben im Blickfeld. Während Zürich in einer umfassenden Ausstellung Wassily Kandinski, Picasso und Braque zusammenfaßt, begegnen sich in Basel hans arp, Mondrian und Paul Klee. Die Formstücke aus Holz, die arp als die einfachste und doch anspruchsvollste Formel gefunden hat, um Wände zu gliedern, seine Ovale, Ellipsen, Schleifen und Teller punktieren die Flächen des modernen Wohnhauses nach frei schaltenden, rhythmischen Gesetzen. Wir sind noch weit davon entfernt, Flächen so elementar zu sehen. Aber die Bedeutung dieser abstrakten Künstler, die in Deutschland seit der Kapitulation noch nicht eigentlich zur Diskussion stehen, ist unbestreitbar.

Günther Franke hat in München mit der Ausstellung von E. W. Nay einen programmatischen Anfang gemacht. Basler Verleger haben eine farbige Paul-Klee-Mappe herausgebracht. 70 v. H. der Auflage sind nach Amerika gegangen. Es ist eine der ersten und besten farbigen Klee-Mappen nach Will Grohmanns so bedeutsamer Gesamtpublikation aller Kleeischen Zeichnungen. Der Vergleich mit dem Original zeigt aber, wie schwer die ja nicht nur farbig reichen Bilder zu reproduzieren sind: Mauerspachtel und Kamm schaffen eine Skala von Tönungen, die mit der gepflegtesten Reproduktionstechnik nicht erreichbar scheinen. Basel ist auch der Sitz der wichtigsten Sammler von Max Ernst, dem deutschen Surrealisten, der von Frankreich nach Amerika übergesiedelt ist; dort hat er ein Museum eröffnet. Es ist immer wieder verblüffend zu sehen, wie dieser Maler seine surrealistische Romantik in technische Einfälle zu kleiden weiß. Es ist schwer, einen Begriff von seiner Kunst zu geben. Doch bleibt die präziseste Formel: Schattenrisse des Nichts.

*

Willy Baumeister ist die künstlerisch stäikste und universalste Persönlichkeit der malerischen Moderne in Württemberg. Hölzl-Schüler, Freund Legers, Befruchter des Kunstgewerbes – das sind die Stationen, die sein abseitiges Leben kennzeichnen, das sich jetzt in einem großartigen Gesamtwerk verströmt. Jetzt hat ein Stuttgarter Verleger, Alfred Eichhorn, zwei Mappen seiner Zeichnungen herausgebracht, die zeigen, daß dieser Meister der Abstraktion, den Kultusminister Heuß jetzt in die Stuttgarter Akademie berufen hat, eine folgerichtige Entwicklung durchläuft. Die abstrakten Bildzeichen, die fast schon Schrift – nämlich Keilschrift – sind, haben den Weg zum Mythischen freigelegt. Künstler, die in einer Epoche zunehmender Spezialisierung die Kraft haben, auf die Elemente unseres Daseins zurückzufinden, sind Rufer in der Wüste, Wir wissen, was ihnen schon einmal gefolgt ist: eine Weltreligion. Egon Vietta