Besitzausgleich

Der Aufsatz „Das zweite Papier“ in Nr. 33 der „Zeit“ besagt, daß die Regelung der Währungsverhältnisse nicht von der Sachwertseite herkommen kann, sondern von der Geldseite erfolgen müsse. Das steht in Widerspruch zu früheren Artikeln des gleichen Autors, der in der Frage des Lastenausgleichs auf dem einzig richtigen Standpunkt zu stehen schien, daß die Sachwertbesitzer mit ihren Werten bei der kommenden Besitzregedung herangezogen werden müssen, daß also nicht allein die Geldwertinhaber die Leidtragenden sein dürfen.

Ich weiß nicht, ob der Verfasser zu denen gehört, die bisher schon große Opfer durch Verlust von Familienangehörigen oder an Hab und Gut haben bringen müssen. Wenn ja, so wird. er ja auch wissen, wie weh es tut, auf die notwendigsten Gebrauchsgüter und Annehmlichkeiten dieses Lebens verzichten zu müssen, während man anderseits weiß, daß diese Güter vielleicht in dem Keller oder Lager des Nachtbarn aufgestapelt bereit liegen, um im Augenblick der Stabilisierung der Reichsmark ohne Verlust, ja mit Gewinn verwertet werden zu können.

Es ist nicht erforderlich, daß dies ein Dauerzustand sein muß und daß es hiergegen keine Abhilfe gibt. Wenn seitens der zuständiger, Stellen, evtl. unter Auflage durch die Besatzungbehörden, eine Bestandsaufnahme aller Vorräte an Materialien, Gebrauchsgütern usw. bei allen Besitzern solcher Werte angeordnet wird, ein Verkauf dann nur durch Freigabe von angemeldeten Werten möglich wäre und gegen Nachweis, wohin ein solcher Verkauf erfolgt ist, dann wäre das nichts anderes und nichts Unbilligeres, als wenn man bei einer Währungsregelung die Guthaben bei den Banken und die Bargeldbestände erfaßt. Meines Erachtens kann es den Sachwertbesitzern nicht häufig genug gesagt werden,daß sie sich nicht an diese Werte zu klammern brauchen, sondern daß diese bei dem Lastenausleich auch miterfaßt werden.

Heinrich Geothusen, Harksheide