Zur Zet hungert Europa, und in der Reihe der vordem Weltbrotkorb schlangestehenden Völker rangiert Deutschland an letzter Stelle.

Mit überwachem Geist und knurrendem Magen verfolgt der Deutsche das Auf und Ab in den sich widersprechenden Meldungen über die Welternährungslage. Die Nachricht von „New“ of the World“, die von Millionen unverkaufter Heringe in den Häfen Yarmouth und Lowestoft berichtet, wirkte wie eine Freudenbotschaft. Der in der Ernährungspolitik Erfahrene übersieht sofort die Lage: ohne daß England seine Devisenbestände anzugreifen braucht, ohne daß der Lebensstandard in Großbritannien beeinflußt würde, kann hier die Hilfe für Deutschland angesetzt werden. Gespannt verfolgt der Leser den Rest der Meldung. Jedoch – er muß einsehen, daß er weiter vertröstet wird und vorwiegend doch nur von Hoffnungen lebt. Die in den Vollmondnächten besonders ergiebigen Fänge können von England nicht mehr auf; genommen werden, da die ostenglischen Hafenverwaltungen es an Voraussicht mangeln ließen und dem anfallenden Segen des Meeres nicht mehr gewachsen waren. Wenn nun aber die englischen Häfen die Arbeit nicht mehr schaffen können, dann gebietet es der gesunde Menschenverstand, daß die Fische in Häfen gelöscht werden, die nicht an Arbeitsüberlastung leiden. Wie nahe liegen die deutschen Häfen!

Leider hat die englische Fischerflotte ein anderes Hilfsmittel gewählt: Sie läuft in einem sehr beschränkten Umfang aus! Vier britische Fischereifahrzeuge sind es nur gewesen, die, beladen mit Fischen aus den Fängen der Hochkonjunktur, nach Deutschland kamen. „News of the World“ sagt dazu, „daß diese Zahl völlig umzureichend ist“,

Fünf Tage später erfolgte die Meldung daß England seine deutsche Besatzungszone bald an dem reichen Segen durch „Lieferung großer Mengen von Fischen, darunter 45 000 t Heringe verschiedener Zubereitungsart, beteiligen will“.

Wir können es uns nicht versagen, zu betonen, daß es wohl nicht im Sinne des britischen Steuerzahlers liegt, durch Zubereitung verteuerte Ware nach Deutschland zu liefern, da wir selbst in der Lage sind, Fischprodukte in ausreichender Menge zu verarbeiten. –n.