Der Bau neuer Fischdampfer zur Verbesserung der Versorgung der deutschen Bevölkerung mit den Schätzen des Meeres ist noch immer nicht in Angriff genommen worden, obwohl der Alliierte Kontrollrat seit langem die Genehmigung dazu erteilt hat. Bis zur Indienststellung der geplanten Dampfer, deren Größenbestimmung hoffentlich noch mit Rücksicht auf die berechtigten deutschen Vorschläge revidiert werden wird, müssen also unsere alten, in der Hauptsache längst ausgedienten Fischdampfer und vor allem die tüchtige Flotte der Hochseefischkutter versuchen, den Fischbedarf für Deutschland aufzubringen. Wenn auch die Anlandungen der deutschen Nordsee-Fischkutterflotte nur einen geringen Teil des großen Bedarfs decken, so sind sie doch durch ihre unentwegten Fangreisen ohne Zweifel ein wichtiger Faktor unserer Ernährung.

Mengen- und wertmäßig hält in dieser Saison bisher bei den Hochseekuttern der Schulauer Kutter SS 86 „Condor“ die Spitze. Die „Condor“ gehört einer alten Fischerfamilie der Hamburger Fischerinsel Finkenwärder, die sich vor Jahren in Schulau ansiedelte. Kapitän Hermann Mewes, der Kapitän der „Condor“, ist ein erfahrener Hochseefischerund steht seit 1913 im Beruf.

Er will durchaus nichts davon wissen, daß er mit seiner Mannschaft und seinem Fischkutter eine besondere Leistung vollbracht hat; natürlich ist er aber doch stolz darauf, daß die „Condor“ mengen- und wertmäßig an der Spitze der Anlandungen der Hochsee-Kutterflotte liegt. Man erfährt durch ihn von den erheblichen Schwierigkeiten, mit denen heute jeder Fischkutter- oder Fischdampferkapitän zu kämpfen hat. Der Netzmangel, der Mangel an Scherbrettern und die geringen Zuteilungen an Glühbirnen (mit meist ungeeignetem Gewinde) sind nur eine kurze Auslese der Sorgen, die auch auf diesem Gebiet deutsche Not und Armut widerspiegeln. Hinzu kommen die erheblich überhöhten Preise für Berufskleidung; sie ist fast ausschließlich von einer Qualität, die schon nach der zweiten Fangreise Gummistiefel und Ölrock wertlos werden läßt. Bezeichnend ist ein kleines Beispiel: Bei einem kürzlich in Dienst gestellten neuen Fischkutter fiel sehr bald die Kreiselpumpe aus, da es unmöglich war, einen passenden Keilriemen in Hamburg zu beschaffen. In mühevoller, langer Arbeit mußte die gesamte Kreiselpumpe umgebaut werden, damit man für die Zukunft nicht mehr auf die Mangelware „Keilriemen“ angewiesen ist. So entfiel dieser Hochseekutter für diese Fangreise, und die Anlandungen waren um seinen Fang geringer, wie sie überhaupt in der letzten Zeit nicht allein wegen der Schlechtwetterperiode nachgelassen haben, sondern auch darum geringer wurden, weil verschiedene Fischdampfer und Hochseekutter infolge Mangels an Dieselöl und Material nicht auslaufen konnten. ww.