Holland hat offen ausgesprochen, daß seine Wünsche auf "Grenzberichtigungen" von wirtschaftlichen Gedanken diktiert sind. Worum geht es dabei?

Der Raum ostwärts Coevorden, der in der Aufstellung der niederländischen Regierung besonders genannt wird, birgt Erdöl. Zwischen Oud Schoonebek, einem Dorf auf holländischer Seite, und Emlichheim, dem deutschen Grenzort, ragen hohe Bohrtürme über das flache Land.

Nachdem 1930 mit geringem Erfolg Bohrungen im Nordwestzipfel Deutschlands durchgeführt worden waren, folgte 1933 die Bataafsche Petroleum. Matschappij (BPM) auf holländischem Gebiet. Mit Kriegsbeginn – kam die niederländische Aktivität zum Erliegen. In den Jahren 1939 und 1940 stellte dann die wissenschaftliche Forschung, in der nach Westen vorspringenden. Enklave westlich Meppen ölhöffige Gebiete fest. Nach der Besetzung Hollands wurde mit der Ausbeutung begonnen, im Oktober 1941 schloß die deutsche Elwerathkompagnie mit der BPM einen Vertrag, wonach diese für Kriegsdauer in allen zu erschließenden Feldern das Bohrrecht erhielt Das Material wurde von Deutschland zur Verfügung gestellt.

Im Juli 1943 brachten Bohrungen auf holländischer Seite die erste. Ausbeute, und im August wurde 300 Meter südlich der Grenze, unweit Emlichheim, auf deutscher Seite Erdöl gefunden. Bis. Juli 1944 waren die Vorarbeiten so weit abgeschlossen, daß eine rationelle Produktion für die Zukunft zu erwarten war. Aus 800 Meter Tiefe wurden täglich 20 Tonnen gefördert. Die Kriegsereignisse unterbrachen schließlich die Arbeiten.

Im Schutz der alliierten Streitkräfte stellte sich die zur Royal Dutch-Shell-Gruppe gehörende BPM auf modernes amerikanisches Material um und konnte 1945 bereits 6600 t produzieren. In den ersten Monaten 1946 ist die Förderung weiter gestiegen: im Mai auf 120 t täglich und im August auf über 260 t. Für den September meldet die "Nieuwe Standard", ein belgisches Blatt, 1410 Tagestonnen. Damit können die Niederlande ein Drittel ihres Eigenbedarfs decken.

Deutscherseits war die Wiederaufnahme der Produktion mit weit größeren Schwierigkeiten verbunden. Veraltete und unzureichende technische Mittel ließen im Oktober dieses Jahres nur eine Tagesleistung von durchschnittlich 60 bis 80 t zu. Eine Steigerung wird nur allmählich zu erreichen sein. Die Wissenschaftler haben jedoch festgestellt, daß das zusammenhängende Ölfeld zu drei Vierteln unter deutschem Boden liegt. Um diese Vorkommen geht es Holland!

Seit 1648, als sich im Frieden von Osnabrück die Niederlande vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation lösten, liegt die Grenze zwischen Deutschland und Holland fest. Deutschlands Pflicht zur Wiedergutmachung der holländischen Kriegsschaden ist nie bestritten worden. Aber wir wehrer uns gegen die aus wirtschaftlichem Egoismus erhobene Forderung auf altes deutsches Gebiet mit einer rein deutschen Bevölkerung. Wohltuend ist da die Stimme des englischen "Observer", der sich scharf gegen die holländischen Forderungen aus spricht.