Viele französische Bauern verkaufen nur noch gegen Goldstücke. Somit gibt es nun in Frankreich neben dem papierenen Zahlungsmittelumlauf auch noch einen goldenen – aber nur für schwarze Umsätze. Die Menge des schwarz zirkulierenden und gehorteten Goldes wurde kürzlich in einer englischen Meldung mit 3000 t angegeben, während der Notenumlauf der Bank von Frankreich von 700 Mrd. nur durch 700 t Gold gedeckt ist! Diese 3000 t Gold haben einen Wert von 3,7 Mrd. Dollar und würden neben den Scheidemünzen für den Geldumlauf mehr als ausreichen.

Diese 3000 t Gold sind das Problem der französischen Wirtschaft, Sie sind ein Sinnbild des-Reichtums des Landes und der Sparkraft der Bevölkerung, aber auch des Mangels an Aktivität. Aus Sorgen wegen der politischen und wirtschaftlichen Lage ist nach dem ersten Weltkrieg ein erheblicher Teil der Ersparnisse in Form von Gold, Devisen und ausländischen Wertpapieren – bei Unwissenden auch in Form von Banknoten – in den sagenhaften Sparstrumpf gewandert. Sein Gesamtinhalt wurde vor dem Krieg ungefähr auf denselben Betrag geschätzt wie jetzt das schwarze Gold. Solche Schätzungen sind natürlich etwas fragwürdig, aber ohne Zweifel ist der Sparstrumpf seit Beginn dieses Krieges wesentlich voller geworden. Welche Summen es auch sein mögen, das Entscheidende ist, daß Frankreichs Wiederaufbau finanziell und währungsmäßig gelöst wäre, wenn diese Beträge mobilisiert werden könnten.

Allein durch das schwarze Gold wäre mehr als die Hälfte der 5,8 Mrd. Dollar aufgebracht, die nach dem Monnet-Plan zum Wiederaufbau der französischen Wirtschaft vorgesehen sind. Die noch fehlenden 2 Mrd. könnten sehr leicht durch die gehorteten Devisen und durch die Auslandspapiere beschafft werden, so daß Auslandsanleihen kaum erforderlich wären. Da der französische Staat nicht an den Sparstrumpf herankommt und die Parteien den Staatsapparat nicht einzusetzen wagen, weil sie auf die Besitzer dieser Spärstrümpfe als Wähler angewiesen sind, muß Frankreich ständig nach Auslandsanleihen Ausschau halten. Die USA Hben 1,37 Mrd. Dollar bewilligt, wovon aber nur 650 Mill. an neuem Geld Frankreich zugute kommen. Kanada soll ebenfalls eine Anleihe geben, von der Weltbank werden, 500 Mill. Dollar erwartet, und außerdem werden ausländische Kapitalgeber zu privaten Investitionen aufgefordert. Verbleibende Lücken sollen durch deutsche Reparationen gedeckt werden.

Dabei wird angenommen; daß Frankreich in den Jahren 1946-1949 insgesamt 4,2 Mrd. Dollar an Waren ausführen kann, wobei eine Steigerung von 450 Mill. im Jahre 1946 auf 1750 Mill. im Jahre 1949 vorgesehen ist. Die Einfuhr erfordert in diesen vier Jahren knapp 9 Mrd. Hinzukommt ein Passivsaldo der anderen Posten der Zahlungsbilanz von knapp 1,2 Mrd., Was insgesamt das obenerwähnte Defizit von 5,8 Mrd. Dollar ergibt. Diese Berechnungen gelten aber als viel zu optimistisch, so daß immer mehr die Frage in den Vordergrund tritt, wie der Sparstrumpf mobilisiert werden könnte.

Ein bekannter französischer Wirtschaftspolitiken René Sedillot, hat vorgeschlagen, daß amtliche Stellen Gold zu einem Kurs kaufen und verkaufen, der zwischen dem amtlichen von 760,50 Franken für ein Goldstück und dem schwarzen von 5000 Franken liege. Dieser, "graue" Preis sollte den jeweiligen Marktverhältnissen so angepaßt werden, daß es sich für die Besitzer der Sparstrümpfe lohnt, Gold abzugeben.

Wenn so das Gold in die Bank von Frankreich strömen würde, dann müßte die viel schwierigere Frage auftauchen, wo die notwendigen Rohstoffe und Maschinen gekauft werden könnten. Denn mit Gold allein kann man heute nicht viel anfangen. Wichtiger als Gold... sei heute für Frankreich, so wird in Paris betont, Kohle; aber Kohle sei anscheinend noch schwieriger zu bekommen als Gold.

drgr.