Als vor einigen Wochen die Militärregierung Kohlenzuteilungen für den Hausbrand ankündigte, wurde diese Zusage mit einem Gefühl der Erleichterung aufgenommen, obwohl die in Aussicht gestellten Mengen so karg und unzulänglich waren wie die Lebensmittelzuteilungen auch. Immerhin wären die kommenden Monate nicht ganz so grausam geworden, wie es der erste Besatzungswinter war. Um so niederschmetternder wirkte die neue Meldung: Die englische Kohlenkontrollkommission hat bereits jetzt jede weitere Zuteilung von Hausbrand innerhalb der englischen Zone untersagt. Als Grund wird die Weigerung der Bergarbeiter angegeben, zusätzlich Sonntagsschichten zu fahren. Diese Weigerung ist geeignet, den Unwillen der frierenden Bevölkerung auf die Bergarbeiter zu lenken und die Elendsatmosphäre, in der wir auszuhalten gezwungen sind, auch noch zu vergiften.

Tatsächlich haben die Gewerkschaften nach eingehender Erörterung und Abstimmung den Bergarbeitern die Sonntagsschichten nicht empfehlen können. Mit dieser Entscheidung haben sie unserer Meinung nach verantwortungsvoll und richtig gehandelt. Die Ernährung der Bergarbeiter ist noch immer nicht ausreichend Die Wohnverhältnisse sind unzulänglich. Zwar bietet man den Bergarbeitern neue Möbel an, jedoch zu Preisen, die in keinem Verhältnis zu den gewährten Löhnen stehen. Schlimmer noch als die Lebens- sind die Arbeitsbedingungen. Die Unfallzahlen sind gefährlich gestiegen.

Die Bergarbeiter kann kein Vorwurf treffen.

Seitdem ihre Versorgung gebessert wurde, ist auch die Förderung stetig gestiegen. 200 000 Tonnen Tagesförderung sind erreicht worden gegenüber 180 000 Tonnen Anfang Oktober. Das ist immerhin eine erhebliche Mehrförderung! Ebenso enttäuschend wie die Hausbrandversorgung ist die kürzlich verkündete Senkung des Kohlenexports um 350 000 Tonnen. Industrie und Verkehr machten sich Hoffnung auf erhöhte Zuteilungen. Das Gegenteil trat ein. In den letzten Wochen wurden mehr und mehr Züge eingestellt, die Zuteilungen an die Stahlindustrie mußten scharf gesenkt werden, Gas- und Elektrizitätswerke blicken sorgenvoll in die Zukunft. Englische Zeitungen bestätigen, was der Deutsche gerüchtweise aus dem Westen erfährt; Die Halden sind leer; um die Vorräte aufzufüllen, werden die bisherigen Zuteilungen eingeschränkt.

Wirkliche und grundlegende Hilfe, das ergibt sich auch wieder aus der winterlichen Elendssituation, kann nur die Einstellung der Zwangsausfuhr bringen. Die Kohlenexporte seien notwendig zur Bezahlung der Lebensmitteleinfuhren, so wird immer wieder erklärt. Bedenkt man aber, daß wir selbst durch die Erzeugung von Düngemitteln mit diesen Kohlen weit mehr zur deutschen Lebensmittelversorgung beitragen könnten, so bestätigt sich die alte Erfahrung, daß nichts so kostspielig ist wie die Armut. Erst mit einem Kohlenmoratorium würden wir die Voraussetzung schaffen für die Wiederkehr geordneter Verhältnisse und für ein vernünftiges Leben. Diese Voraussetzung heißt: ein gesunder, leistungsfähiger und arbeitsfreudiger Deutscher.