Vor kurzem erschien von Margot Schubert ein Gartenbuch ("Mein eigner Garten". Adolf-, Rausch-Verlag, Heidelberg. 600 S.), das ein wahres Gartenkompendium geworden ist. Die wichtigste Gartenliteratur, wie sie früher vorwiegend von Trowitzsch. Frankfurt a. d. Oder, verlegt wurde, dürfte nahezu vollzählig verarbeitet sein. So ist ein wirklich gediegenes Fachbuch entstanden – eine kleine Fachbibliothek in nuce –, das in seiner praktischen Anordnung mit sehr brauchbaren Tabellen, Stichwortverzeichnissen und graphischen Wegweisern zugleich alle Vorzüge eines handlichen Nachschlagewerks in sich vereint. Kein Gebiet wurde vergessen: wenn auch unter dem Eindruck der Zeitverhältnisse mit Recht der Nutzgarten mehr Raum erhielt als der Ziergarten, so ist doch auch dieser gebührend berücksichtigt; ebenso erfahren Obstbäume und Beerensträucher liebevolle Aufmerksamkeit, und das Kapitel Düngung wird mit wahrem Glaubenseifer behandelt.

Bis zu den Randbezirken der Schädlingsbekämpfung und des Vogelschutzes reicht der weitgespannte Rahmen. Wenn aber außerdem, auch vom Gartenrecht und über Gartenschmuck und Gartenkitsch gesprochen wird, dann zeigt sich darin deutlich, wie hier der Garten als eine ganze kleine Welt ernst genommen wird: biologisch als Umwelt und geistig als ein Raum, durch den der Rhythmus des ewigen Stirb und Werde hindurchpulst und Gottes Atem weht. Stiftersche Besinnlichkeit durchtränkt die gärtnerisch-rechnerische Besonnenheit und macht die fachlichen Ausführungen lebendig und liebenswürdig. Wie in einem Spiegel gibt der Garten hier die Kulturgeschichte der Menschheit zu erkennen – im eigentlichen Wortsinn, der die Bestellung der Erde meint, wie in der übertragenen Bedeutung. Was den literarischen Reiz der Inselbändchen von Otto Nebelthau ausmachte, das ist hier auch neu und eigenständig gelungen. So werden wir beispielsweise an Hand der Birne zurück in die großen Wildbirnenwälder des Kaukasus wie in den herrlichen Garten Nausikaas geführt, und auch Herr Ribbeck auf Ribbeck im Havelland in seiner großen Birnengüte wird beschworen. Wie aber dann zurückgelenkt wird auf die Probleme der richtigen Unterlage, des Pfropfens, der Boden- und Sortenwahl, die bis zur Benennung der günstigsten handelsüblichen Sorten geht, das ist auf eine unnachahmliche Art gemeistert. In wahrhafter Heiterkeit, mit einem weinenden und einem lachenden Auge, wird der Stoff als eigene, jahrzehntelange Erfahrung, als Erinnerung an persönlich empfundene Gartenfreuden und -leiden, dargeboten. Hier erzählt aus vollem Herzen eine Gärtnerin von Passion. So ist das Buch schon eine ungewöhnliche Leistung: Gartenfibel und Gartenbibel in einem.

Wie wir hörten, wird die zweite Auflage vom Wirtschaftsbeauftragten für die amerikanische Zone im Hinblick auf die aktuelle Wichtigkeit mit Nachdruck betrieben, so daß vielleicht schon zum Frühjahr neue Exemplare zu erhoffen sind. Die Ausstattung ist für die heutigen Umstände gut, wiewohl der Wert des Buches eine noch bessere beanspruchen könnte. L.

Ein Buch vom Handwerk

Der Berliner Verlag Karl H. Henssel hat den ausgezeichneten Einfall gehabt, eine Reihe von "Lesebüchern" zu schaffen – nicht für den Schulgebrauch, sondern für besinnliche Leser, die Kenntnisse und Erkenntnisse über ein bestimmtes Lebensgebiet suchen. Das vorliegende "Lesebuch aus dem Handwerk", herausgegeben und eingeleitet von Karl Scheffler, bringt in angemessener Ausstattung eine große Anzahl ausgewählter "Lesestücke" aus den gesamten Bereich der deutschen Literatur, soweit sie nur irgendwelche Beziehungen zum Handwerk hat. Es ist also, neben rein historischen Darstellungen, das soziologische und das wirtschaftspolitische Schrifttum vertreten, und außerdem findet sich einige liebevoll ausgewählte Stücke aus der deutschen Dichtung, aus Klassik, Romantik und neueren Erzählern. So ist, gut ausgestattet und verständig gegliedert, ein Sammelwerk entstanden, das eine gute Vorstellung von der Reichhaltigkeit des handwerklichen Schaffens ebenso wie vom Reichtum deutscher Geistesarbeit vermittelt – ein Wert, das einen Ersatz für so manches verlorene und heute schmerzlich vermißte Buch unseres frühere häuslichen Bestandes bedeuten kann, und das auch der jüngeren Generation, der nicht überall mehr, wie es sonst der Regelfall war, die väterlichen Bücherschränke offenstehen, einiges zu sagen hat. n. f.