Von Willi Friese

Am 20 Dezember fährt sich Rilkes Todestag zum 20. Mate. In diesem Herbst starb in Paris Maurice Betz.

Warum ich extra so viele Treppen steigen wolle? Das Zimmer, das einst jener Dichter aus Deutschland bewohnt hätte, sei genau dasselbe Zimmer wie dieses hier... Die Concierge, eine kleine, rundliche Person, öffnete eine Tür und ließ mich in einen nüchternen Raum blicken: ein Stuhl, ein Tisch, ein Schrank, voilä! Im Original-Rilke-Zimmer dort oben wohne ein Reisevertreter, der seine Ruhe haben wolle.

"Aber vielleicht", wandte ich im höflichsten pariserischen Französisch ein, "vielleicht ist der Vertreter..."

Sie schnitt mir mit einer resoluten Handbewegung das Wort ab: "Nein, Monsieur, es geht nicht, der Herr" da oben hat seine Freundin zu Besuch; – Sie verstehen, es geht wirklich nicht..."

Der Klang des Glocke begleitete mich in die Dunkelheit. Nun stand ich auf der Strafe und schaute nach oben, zum Fenster im dritten Stock, wo der Vertreter sein Mädchen liebte.

So zu stehen und zu wissen, daß den Dichter hier seine Ängste überfielen, daß er hier einsam war und daß er begann: "Ich bin ausgewesen. Ich habe gesehen Ich ging wieder die Rue Soufflot hinunter; ich ging sehr langsam; es gab vieles zu bedenken. Ein Deutscher auf den Spuren Rilkes in Paris...