Ich fahre nicht zum siebenten Male über den Ozean, wenn ich nicht überzeugt bin, daß, die Verhandlungen zu einem Ergebnis führen", so erklärte der amerikanische Außenminister Byrnes gegen Ende der diesmaligen UN-Hauptversammlung.

UN-Tagungen sind, wie diese Worte vermuten lassen, offensichtlich noch anstrengender und ermüdender, als die Völkerbundsversammlungen und andere Konferenzen zwischen. den beiden: Kriegen es waren, weil gleichzeitig viele andere Verpflichtungen wahrzunehmen sind und weil der Apparat noch nicht eingelaufen ist. Der Apparat muß reibungslos arbeiten, wenn jene aufgelockerte Atmosphäre aufkommen soll, die für das Gelingen einer Konferenz so entscheidend ist. An den Apparat wurden bei der diesmaligen Tagung besondere Anforderungen gestellt, denn etwa 500 UN-Sitzungen verschiedenster Art mußten durchgeführt werden, 51 Nationen waren mit je fünf Delegierten, ihren Stellvertretern, ihren sachverständigen Beratern und ihrem technischen Personal vertreten, und was dies bedeutet, mag man daraus ersehen, daß bereits eine einstündige Rede eines Delegierten für die Angestellten der UN durch Übersetzung, Vervielfältigung und Druck 180 Arbeitsstunden nötig macht.

Die Spitzen werden zwar von diesen Sorgen des Alltags weniger belästigt, aber sie spüren überall die Verzögerungen und Hemmungen, und auch Kleinigkeiten reizen, denn die Außenminister tagen seit Ende des Krieges fast ohne Unterbrechung. Die Äußerung von Byrnes kann also nicht überraschen. Sie muß auf den ersten Blick pessimistisch stimmen, weil sie kaum auf eine günstige Atmosphäre schließen läßt, sondern auf eine Ermüdung durch die vieler! Konferenzen. Die Äußerung läßt anderseits die feste Haltung der Amerikaner erkennen. Der Byrnes vom Dezember 1946 ist nicht mehr der zu Konzessionen leicht bereit gewesene Byrnes vom Dezember 1945;

Diese Ermüdung und die feste Haltung Amerikas bestimmten die New Yorker Beratungen im November und Dezember. Vier Tagungen liefen parallel nebeneinander unter maßgeblicher Mitwirkung der Außenminister: die UN-Hauptversammlung mit ihren vielen Ausschüssen, die Tagung des Außenministerrats, die Verhandlungen über den Zonenzusammenschluß und die Beratungen über Deutschland. Praktisch zum Abschluß kamen die Friedensverträge mit Italien, Finnland, Rumänien, Ungarn und Bulgarien. Die Unterzeichnung dieser Verträge scheint für Februar gesichert zu sein. Es kam sogar in jenen fragen eine Einigung zustande, die nach dem Verlauf der Pariser Konferenz von 1946 für unlösbar galten. Das Statut von Triest liegt; mit Ausnahme geringer Einzelheiten, fest, der Gouverneur erhielt Rechte, die noch, während der .Pariser Konferenz als Utopie gewertet worden wären; in den Reparationszahlungen Italiens und Bulgariens an Jugoslawien und Griechenland gaben die Russen, ebenfalls nach-, die Freiheit des Donauverkehrs und eine Donaukonferenz wurden vorgesehen. Zwar werden bei der Durchführung der Verträge noch Schwierigkeiten zu erwarten sein, aber das öffentliche Leben dieser Staaten wird normaler werden, zumal die Besatzungen abziehen müssen, was die wohl wichtigste Einzelbestimmung ist.

Für Deutschland brachte New York das Zweizonenabkommen. Das allgemeine Deutschlandproblem wurde offiziell nur kurz behandelt, so die Besatzungsstärke und die für März vorgesehene Deutschlandkonferenz in Moskau, aber viele New Yorker Beratungen standen im Schatten des Deutschlandproblems. Unterstrichen wurde dies durch die gleichzeitige Debatte im Unterhaus und durch die zahllosen Kommentare der auswärtigen Presse. Das Potsdamer Abkommen gehört in manchen Punkten bereits der Vergangenheit an. Die Stuttgarter Rede von Byrnes vom 6. September und das Zweizonenabkommen haben dies gezeigt." Das Potsdamer Abkommen war zu früh und zu voreilig entworfen. Und so zeigt das Schicksal der Potsdamer Beschlüsse denen, die das Tempo bemängeln, daß wichtige Fragen nicht auf einer einzigen Tagung geklärt werden können. Verzögerungen und Vertagungen sind oft in der Politik Kompromissen vorzuziehen.

Ein Einverständnis, zwischen den Großmächten ist die wichtigste Voraussetzung für die Arbeit der UN und auch der entscheidende Gesichtspunkt für das Vetoproblem. Die; UN sind nicht lebensfähig, wenn Beschlüsse gegen eine Großmacht gefaßt werden können, so lautet der Standpunkt der Sowjetunion, Nur mit Hilfe des Vetorechts könne eine Einigung erzwungen werden. Zur Diskussion kann daher im Augenblick nicht das Vetorecht an sich stehen, sondern nur der Anwendungsbereich. Die Tagung in New York hat dies unterstrichen.

Durch Molotows Darlegung, daß die Abrüstungskontrolle nicht dem Vetorecht unterworfen werden solle, kam man in der Abrüstungsfrage, die zur Zeit das Zentralproblem der UN ist; wesentlich weiter. Zu erwarten ist die Bildung einer internationalen Überwachungskommission, die im Rahmen des Sicherheitsrates arbeiten soll, aber dabei nicht dem Vetorecht, unterliegt. Diese Kommission soll überall nachprüfen, ob die gemachten Angaben über Streitkräfte oder Rüstungen zutreffen. Die vorgesehene Kontrolle umfaßt vor allem auch Atomwaffen und andere Mittel der Massenzerstörung.