Von Erwin Topf

"Der Nachkrieg wird weder mit dem Sieg der arbeitenden Klassen enden noch mit den Sieg des Bürgertums, sondern einzig und allein um dem Sieg der Bürokratie!"

Alfred Weber

Wann endlich, so, fragt mit bitteren Seufzen die Hausfrau, wann endlich werden wir all die Dinge des täglichen Bedarfs einmal wieder frei einkaufen können? Wie lange wird es dauern, bis die Kartenwirtschaft beim Lebensmitteleinkauf aufhört? Und werden wir es überhaupt noch einmal erleben, daß die Läden wieder mit den Kleinigkeiten gefüllt sind, die für den Alltag der Hausfrau gebraucht werden – daß wenigstens die einfachsten Gebrauchsartikel, dazu das Notwendigste an Kleidung und Wäsche ohne Bezugschein, ohne Bettelei, ohne "Beziehungen", ohne Tauschgeschäfte für jeden Käufer erhältlich sind?

Bei der Beantwortung solcher Fragen scheiden sich die Optimisten von den Pessimisten. Der Optimist meint: "Alles wird einmal wieder, wie es vor Zeiten war..." und er verweist auf das Beispiel der Jahre nach dem ersten Weltkrieg. Genau so, wie die Währungsstabilisierung vom November 1923 die Wende gebracht habe, so werde auch diesmal, nach einer Währungsreform, sehr bald die Rückkehr zu normalen Verhältnissen kommen. Schnell würden sich die Läden wieder füllen. Nur werde der Geldbeutel der Hausfrau nicht dafür ausreichen, daß sie nun gleich "nach Herzenslust" – all das Gewünschte und Notwendige einkaufen könnte: die lebenswichtigen Dinge wie auch die kleinen Nichtigkeiten, die Waren des alltäglichen Luxusbedarfs, die kleinen Geschenke für die großen Feste – kurz, all das, was das Dasein der Hausfrau erfüllt und verschönt und bereichert.

Bedarf entscheidet – nicht Geldbeutel

Der Pessimist dagegen wird von Jahrzehnten, nicht bloß von Jahren sprechen. Er sieht voraus, daß Warenerzeugung; nach den strengen Richtlinien eines Gesamtplans, nur auf wirklichlebenswichtige" Dinge beschränkt bleiben wird und daß Luxuswaren, die darüber hinaus – vielleicht – hergestellt werden, nur für die Ausfuhr produziert werden; nicht aber dem inneren Markt zugute kommen. Genau so ist es ja heute jenseits des Kanals, wie die große Londoner Schau "England can sell it" einen unendlichen Reichtum an Waren zeigt, die ausschließlich für den Export bestimmt sind und also dem heimischen Käufer nicht verfüglich gemacht werden: austerity heißt das neuerdings so populär gewordene englische Schlagwort...