Der große Radleuchter, den Barbarossa nach der Heiligsprechung Karls des Großen über der kaiserlichen Gruft anbringen. ließ; hängt wieder in der unversehrten großen Rotunde des Domes zu Aachen – groß und mächtig, Mitte des Mittelpunktes unserer christlich-deutschen Vergangenheit. Und der Domschatz, die kostbare Schatzkammer unserer christlich-deutschen Geschichte, ist wieder zugänglich. Es fehlt nichts! Leuchtend in ihrem Gold stehen die großen Reliquienschreine, der Karlsschrein und der Marienschrein, an ihrem alten Ort, kostbare Behältnisse der ehrwürdigsten Reliquien, die das katholische Deutschland kennt. Im kraftvollen Schmuck der Zierfreude starker Geschlechter schimmert das Lotharkreuz und mahnt in sinnfälliger Symbolik – vorn der riesige Steinschnitt mit dem Bildnis des Kaisers Augustus, rückwärtig das Bild des Gekreuzigten – das christliche Deutschland an das rechte Verhältnis des diesseitigen und jenseitigen Ruhms, an die Welt der Gerechten im Diesseits und Jenseits, an die lebendige Synthese von Antike und Christentum in Gerechtigkeit, ein wahres Vortragekreuz des christlichen Deutschlands: kostbar wie dieses, barbarisch wie dieses, überleuchtet von Ideen äußerster Größe für die Wohlfahrt der Welt wie dieses! Das christliche Deutschland! Es fehlt das große Brustkreuz Karls, aber der besorgt Fragende, erfährt, daß es geringer Beschädigungen wegen beim Restaurator ist. Im Domschatz liegen jetzt auch die seltsamen, fremdländischen Schmuckstücke des Ambos aus, den Heinrich II. ursprünglich an einem Pfeiler der Rotunde errichten ließ und der jetzt im gotischen Chor steht. Darunter sind die großen alexandrinischen Elfenbeinreliefs, deren reiche durchbrochene Arbeit an der Kanzel selbst nie zu sehen war und die nun aus nächster Nähe zu betrachten sind. Auch die -Schmucktafeln der Lichterkrone Barbarossas wurden während des Krieges losgelöst, darunter auch der Vierpäß unter dem Mittelstück des Leuchters. Er zeigt den christlichen Kriegsengel Michael als Friedensfürsten, und man liest in der großen Hoffnung, die wie eine geheime Kraft von diesen christlich-nationalen Heiltümern ausgeht, das Wort: "Nunc facta est salus et virtus." So weit werfen diese mit Geschichte und Legende gesättigten Dinge ihren Widerschein in die erhoffte Zukunft des unruhigen menschlichen Geschlechts. – Hierin aber liegt ihre lebendige Magie.

Werner Haftmann