Die Neuordnung der Welt nahmen die Sieger in die Hände, nachdem Deutschland am 7, Mai 1945 und Japan am 15. August des gleichen Jahres bedingungslos kapituliert hatten. Wie stellt sich heute, anderthalb Jahre später, zu Beginn des Jahres 1947, diese Welt dem Blick des Betrachters dar?

Zwei Staaten sind aus dem Krieg gegen die Achsenmächte mit einer-überragenden Machtstellung hervorgegangen: Amerika und die Sowjetunion, beide in sich geschlossen und einheitlich, beide ihrem politischen Aufbau und ihrer Weltanschauung nach in einem scharfen Gegensatz zueinander stehend. Beide Länder vertraten, zumindest offiziell, einen isolationistischen Standpunkt, beide sind jetzt gewillt, in der Welt eine entscheidende Rolle zu spielen, und keines von ihnen will dem andern in Fragen der internationalen Zusammenarbeit die Rolle des Schiedsrichters überlassen. Dieser Antagonismus wird natürlich aus sich heraus in allen Fragen der Außenpolitik leicht zu Meinungsverschiedenheiten und Zusammenstößen führen.

Zwischen diesen auch. gebietsmäßig festgefügten Mächten liegt über die sieben Meere verstreut, fragil und militärisch nicht leicht zu verteidigen, der britische Commonwealth of Nation, durch seine Strukturen die Lage gedrängt, sich entweder einer der beiden Mächte anzuschließen und damit die Kluft zu vergrößern, die die Welt in zwei Lager spaltet, oder durch den Weg der Mitte zu versuchen, ein Gleichgewicht in der Welt herzustellen.

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Die Entwicklung der inneren Politik dieser drei Großmächte lief Während der Nachkriegszeit mit der äußeren Situation parallel. In den Vereinigten Staaten ist die Ära Roosevelt, die im New Deal verkörpert war, abgeschlossen. Die individualistische Gesinnung, der Amerikaner hat, den Kreisen des freien Unternehmertums zum Siege verholfen. Die Republikanische Partei errang in den Wahlen zum Senat und zum Repräsentantenhaus vom November 1946 eine entscheidende Mehrheit. Wie weitgehend diese Tendenz die öffentliche Meinung des Landes darstellt, zeigte sich auch in der Ablehnung, mit der Bevölkerung und Regierung auf die übertriebene Anwendung des Streikrechts durch die Gewerkschaften reagierten.

Die Umstellung der Wirtschaft von der Kriegszur Friedensproduktion wird im Jahre 1947 abgeschlossen sein. Dann wird sehr bald das Problem drängend werden, wohin nach Sättigung des inneren Marktes die im Überfluß produzierten Waren exportiert werden. können. Auch durch solche Erwägungen wird die auf freien Handel und großzügige Anleihegewährung eingestellte amerikanische Außenpolitik in der Verfolgung des eingeschlagenen Kurses noch bestärkt werden.

Im Gegensatz zu Amerika hat Rußland unter den Folgen des Krieges sehr schwer zu leiden. Wenn auch nur ein breiter Streifen der westlichen und südwestlichen Provinzen des Riesenreiches von den unmittelbaren Ereignissen des Krieges betroffen wurde, so war dies doch ein Gebiet, das landwirtschaftlich und industriell sehr hoch entwickelt war und dessen Zerstörung planmäßig und gründlich. vorgenommen wurde.

Im Jahre 1946 verkündete Stalin einen Vierjahresplan zum Wiederaufbau der Wirtschaft. Weitere drei solcher Vierjahrespläne sollen folgen. Vorgesehen ist in erster Linie die Entwicklung der Schwerindustrie, während die Herstellung von Bedarfsgütern wieder zurückgestellt worden ist. Die Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion geht langsamer vonstatten, als vorgesehen war. Diese innere Entwicklung verstärkt den Kurs einer Außenpolitik, die bestrebt ist, möglichst viele angrenzende Länder unter den alleinigen Einfluß Rußlands zu bringen, um ihre Produktion für den Wiederaufbau der Sowjetunion nutzbar zu machen – und die gleichzeitig darauf, ausgeht, Handelsverträge abzuschließen, die ihr eine Monopolstellung einräumen. Damit steht dem imperialistischen Kapitalismus Amerikas, der darauf abzielt, geschlossene Märkte für sich zu öffnen, der imperialistische Sozialismus Rußlands gegenüber, der die Tendenz hat, offene Märkte zu seinen Gunsten zu verschließen und seinem System anzugliedern.