Nach der "Frau ohne Herz" (The Wicked Lady), nach dieser Räuberpistole von der plündernden und mordenden Lady aus der Zeit der Allongeperücke, die im vergangenen Jahr den englischen Filmtheatern die höchsten Kassenerfolge einbrachte, behandelt der neue Film im Waterloo-Theater, Hamburg, das zeitnahe Problem des totgesagten Heimkehrers, der die Verhältnisse zu Hause sehr verändert findet, ein Stoff, der seit Homer nach allen Kriegen aktuell war. "Die Jahre dazwischen" (The Years Between), das sind die Jahre, in der die zurückgelassene Gattin von dem neuen, veränderten Leben ganz in Anspruch genommen wird, im Parlament als MP den Platz des Toten einnimmt und in Liebe sich einem neuen Partner zuneigt.

Das bemerkenswerte Spiel der englischen Darsteller (Valerie Hobson – die Frau, Michael Redgrave – der unsichere Heimkehrer, Flora Röbson – die tüchtige Haushälterin), dieser Darsteller, die so erstaunlich wenig von Stars und soviel von Menschen haben, wie man sie im Alltag kennt, spiegelt eindringlich einen Abschnitt des Krieges auf der anderen Seite. Der übliche Landhausstil englischer Gesellschaftsfilme allerdings ist dazu angetan, bei dem deutschen Zuschauer, dem wohl unbestritten ersten Sachverständigen für Heimat- und Bombenkrieg, den Anschein zu erwecken, als sei "drüben" Krieg nur gespielt worden. Was aber soll das deutsche Publikum, das mühsam Demokratie lernt und die Verfemung der Begriffe vom blinden Gehorsam und militärischer Pflichterfüllung als verdammenswerten preußischen Militarismus, was soll es dazu sagen, wenn es hier einem Überpreußen begegnet, der aus Pflicht dem Vaterland gegenüber der eigenen Frau bei der Abreise in die deutsche Widerstandsbewegung eisern verschweigt, daß sie ein Telegramm "Gefallen für das Vaterland" erhalten wird, damit alle Spuren verwischt sind! Dagegen empfinden die Frauen Solidarität mit der zeitnahen Rednerin im Parlament, die mit gesundem Menschenverstand für die überlastete moderne berufstätige Hausfrau Hilfe zu erkämpfen sucht und mit einer Bemerkung über die Unwürdigkeit des Schlangestehens sogar hörbaren Beifall findet.

Feinsinnig die psychologisch-klare Linienführung des noch von dem Film "Der letzte Schleier" her in guter Erinnerung gebliebenen Regisseurs Compton Bennet. Doch vermochte er die Lücken im Drehbuch nicht zu überbrücken, in denen zweimal als dem –, nein: dea ex machina die Haushälterin eingreifen muß, um eine gewaltsame Wendung herbeizuführen und am Schluß das Ehepaar wieder zusammenzureden in einer Ansprache mit so leicht ausgesprochenen Schlagworten wie Friede, Völkerversöhnung, Neuaufbau und dem Anfang hierzu, der in jeder Familie gemacht werden muß.

Erika Müller