Von Erik Blumenfeld

Der Verfasser ist Mitglied des Zentralausschusses zur Denazifizierung in Hamburg. Wir drucken seine Ausführungen ab als Beitrag zu der Diskussion einer Frage, die unbedingt bald gelöst werden sollte.

Der krieg ist zu Ende der Frieden jedoch noch nicht gewonnen. – Der Nationalsozialismus ist zerschlagen, die demokratische Gesinnung hat sich noch nicht durchgesetzt.

Es wäre ein Fehler von einer Tragweite, die weit über unsere Grenzen hinausgeht, wollten wir die Augen vor der Tatsache einer Krise in der sogenannten "Entnazifizierung" verschließen. Die Krise ist in allen vier Zonen mehr oder weniger akut seit diesem Herbst ausgebrochen. Latent war sie seit Anbeginn vorhanden. Viele Gründe wären im einzelnen anzuführen, hier sollen nur die wesentlichsten angedeutet werden.

Mangelnde und nur scheinbare Verantwortung der Deutschen in Verbindung mit dem Fehlen jeglicher einheitlicher alliierter Politik und Durchführungsbestimmungen bis hinein in die Kreise oder Gemeinden, hierdurch bedingt ein kaum vorstellbarer Bürokratismus und Schematismus und hierzu noch der Streit aller politischen Parteien über Auslegung, Behandlung und Schärfe der Maßnahmen haben es so weit gebracht, daß die .allein verbliebene Einheitlichkeit die zeitliche Dauer ist, vielleicht das Hauptübel des ganzen Verfahrens.

Es soll versucht werden, aus anderthalbjähriger Erfahrung, mit dem Hintergrund des ehemaligen? politischen Häftlings der Hitlerzeit, Vorschläge zur Lösung dieser so ungeheuer komplexen Frage zu formulieren.

Ich möchte davon aisgehen, daß die Pflicht zur Auseinandersetzung mit der Frage der politischen Säuberung für jeden Deutschen besteht, ob er will oder, nicht. Die Durchführung ist so schwer, weil im Mittelpunkt der Bewertung der einzelne Mensch steht. Persönlich habt ich immer bedauert, daß keine radikale oder "revolutionäre" Lösung gleich anfangs erreicht werden konnte. Wir hätten dann heute wohl kein "Entnazifizieungsproblem" mehr, sicher jedoch keine Krise, Eine Amnestie steht unter den heutigen Umständen nicht zur Debatte, die Deutschen neigen sowieso dazu, leicht zu vergessen. Formal-juristisch ist das Problem noch weniger zu lösen als nurpolitisch. Die Säuberung muß aber auf rechtlicher Grundlage, mit Gerechtig-, keit, Objektivität und einem hohen Maß politischer Vernunft erfolgen. Dabei darf die politische Linie nicht in die Ebene der Parteipolitik absinken. All dieses erfordert eine Auslese von Menschen für die zu bewältigende Aufgabe, die leider bisher aus Mannigfachen Gründen nicht innegehalten worden ist. Als eine Reihe von Maßnahmen, die sobald als möglich in die Tat umgesetzt werden sollten, wären zu benennen: