In der letzten Zeit gingen Meldungen durch diedeutsche ’Presse – im Unterhaus wurde auch davon gesprochen –, daß die englische Hochseefischerei ganz besondersgroße Heringsfänge gemacht habe. Größere Mengen – man sprach von 45 000 Tonnen – sollten ab Deutschland geliefert werden. Tatsächlich wurden auf Grund der guten englischen Fänge Mitte November drei deutsche Fischdampfer von ihrer Nordseefahrt abbeordert, um Great-Yarmouth und Lowestoft anzulaufen, damit sie dort Heringe laden sollten. Mit Eintreffen der Dampfer waren aber die Heringsfänge so gut wie abgeschnitten, und die tatsächlichen Anlandungen wurden für den englischen Verbrauch benötigt. Die Dampfer lagen zwölf Tage in den englischen Häfen und sind dann ohne Ladung abgefahren. Der Versuch, anschließend in der Nordsee zu fischen, hatte das gegenwärtig übliche Schicksal, daß sie mit einem Fang nach Hause fahren mußten, der nur einen Bruchteil ihrer Ladefähigkeit ausmachte. Tatsächlich wurden in der abgelaufenen Saison aus England 5430 Tonnen frische Heringe und 4400 Tonnen Salzheringe eingeführt, also noch nicht ein Viertel der genannten Menge.

Von den deutschen Besatzungen wurde die freundliche Aufnahme in den englischen Häfen betont. Es handelte sich um die ersten Schiffe, die England nach dem Kriege anliefen. Die Besatzungen konnten sich frei in den englischen Städten bewegen Die Presse zeigte reges Interesse. Besonders betont wird die Kameradschaft der englischen Fischer, die ihre deutschen Kameraden wiederholt einluden. Ältere Fischer empfanden die Freundlichkeit um so angenehmer, als sie sich erinnerten, daß nach dem ersten Weltkriege die Aufnahme der ersten deutschen Dampfer nicht sehr freundlich gewesen ist. S. P.