Es ist schwer, sich aus den Worten der russischenStaatsmänner ein klares Bild über die Ziele der russischen Politik zu machen. So lehnte kürzlich Molotow im Außenministerrat ab, die Frage der Herabminderung derBesatzungstruppen auf die Tagung der Moskauer Konferenz zu setzen, erklärte aber, er sei bereit, ohne dieses Thema auf die Tagesordnung zu bringen, darüber in Moskau zu verhandeln. Auf die Frage von Byrnes, ob dies bedeute, daß die Frage wirklich diskutiert werden würde, oder daß nur diskutiert werden solle, ob die Frage auf die Tagesordnung einer späteren Konferenz zu setzen sei, erwiderte der russische Außenkommissar: "Ihre Frage zeigt, daß Sie meine Antwort genau verstanden haben."

Der Außenministerrat hat in New York sein Arbeitsprogramm abgeschlossen. Über die Friedensverträge mit den ehemaligen Verbündeten Deutschlands konnte er eine Einigung erzielen, so daß beschlossen wurde, das deutsche Problem im März dekommenden Jahres in Moskau zu behandeln. Auch auf der Vollversammlung, der UNO de ebenfalls in New York stattfand, wurden Fortschritte gemacht. Von dem raschen Tempo, in dem in den letzten Tages der Konferenz einige schwierige Probleme gelöst werden, waren selbst Optimisten überrascht. Alle erkennen an, daß diese Tatsache der neuerdings entgegenkommenden Hatung des sowjetischen Außenministers Molotow zu verdanken ist, wenn auch einige hinzufügen, daß die bisher aufgetretenen Schwierigkeiten vorher durch ihn hervorgerufen worden waren.

Weniger optimistisch stimmt die Haltung der sowjetischen Presse und besonders des Rundfunks. Fast zur gleichen Zeit, als Molotow in New York seine Haltung änderte, begannen Presse und Rundfunk in Moskau verstärkt Berichte und Kommentare zu veröffentlichen, die jeden Glauben und jede Hoffnung auf die Vereinten. Nationen erschüttern mußten. Die Debatten zur Einschränkung der Rüstung- oder die geschickt argumentierenden Reden des erfahrenen Juristen Wischinsky werden so wiedergegeben und kommentiert, daß jeder Hörer und Leser, der nicht die Möglichkeit hat, auch die andere Seite zu verfolgen, die Überzeugung gewinnen muß, daß durch Abstimmungs- und andere Manöver der westlichen Demokratien alles sabotiert wird, ja daß es sogar sinnlos sei zu glauben, daß die UNO etwas Positives leisten könnte.

Würde diese spontane Kampagne nicht in einem Lande geführt, in dem die Berichterstattung vom Staate her gelenkt wird, würde man vielleicht nicht nach dem Grund dieser Aktion fragen Trotzdem wäre es unklug, daraus unbedingt pessimistische Vermutungen herzuleiten – Sollte.es sich vielleicht nur um die traditionellen zwei Zungen Moskaus handeln, die wir gerade in der letzten Zeit so oft erlebt haben? Während die Sowjetunion ‚im Osten als Beschützer der slawischen Staaten auftritt, nimmt sie in Deutschland für sich das Recht in Anspruch, die Interessen des deutschen Volkes, am besten zu vertreten. Selbst die "Sprache" des Premierministers Stalin und des Außenkommissars Molotow, ist nicht immer die gleiche. So vertrat Stalin vor einiger Zeit dem Vertreter von Associated Press gegenüber Ansichten, die denen diametral entgegengesetzt waren, die zur gleichen Zeit Molotow in Paris verkündete. Wenn nie russische Diplomatie das Ziel verfolgt in bezug auf ihre ~~~~~tenmöglichst undurchsichtig zu sein und sich niemals festzulegen, so gelingt es ihr vorzüglich, diese Methode durchzuführen. – A. B.