Das Ergebnis der deutschen Heringsfangsaison, die im Lauf des Novembers zu Ende ging, kam den allgemeinen Verhältnissen gemäß als befriedigend angesehen werden. Die starke Schrumpfung des Dampferbestandes infolge von Kriegs-Verlustes kam in der angelandeten Menge nicht voll zum Ausdruck. Die Gesamtanlandungen der drei wichtigsten Fischereihäfen betragen etwa 95 Mill. kg gegenüber 120 Mill. kg im Jahr 1938, da im letzten Jahr sämtliche Dampfer zum Heringsfang eingesetzt wurden, während 1938 erhebliche Teile der damaligen Dampferflotte auf Frischfischfang ging. Dieser Unterschied macht sich besonders beim Ergebnis der Fischerei in Cuxhaven bemerkbar, dessen Flotte in dieser Saison etwa 32 Mill. kg Heringe fing gegenüber 29 Mill. kg 1938, als nur etwa die Hälfte der Flotte zum Heringsfang eingesetzt wurde. In Wesermünde ist der Rückgang stärker mit etwa 30 Mill. kg gegenüber 47 Mill. wobei hier von Einfluß war, daß insbesondere zu Beginn der Saison die Dampfer oft liegenbleiben mußten, weil das zur Ausrüstung notwendige Eis und teilweise die Kohlen fehlten. Ausrüstungsschwierigkeiten beeinflußten auch in den letzten Wochen das Ergebnis von Hamburg, desseas Rotte 24 Mill. kg Heringe einbrachte gegenüber etwa 45 Mill. kg 1938. Die Hamburger Flotte wurde jedoch schon 1938 fast ausschließlich zum Heringsfang eingesetzt, weil er eine der wichtigsten Grundlagen für die bedeutende Fisch-Industrie Hamburgs ist und gleichzeitig auch die umfangreiche. Industrie Lübecks mitbelieferte.

Unter den Gesichtspunkten der Fischindustrie ist die Versorgung anders zu beurteilen. Hamburg nahm früher sehr bedeutende Fänge von Schiffen aus Cuxhaven und Wesermünde auf. Die Eigenanlandungen betrugen 1937 z. B. etwa 50 Mill. kg, wozu weitere 29 Mill. kg Anlandungen fremder Schiffe hinzukamen. Hamburg erhielt damals 75 Prozent der gesamten Heringsfänge, wovon allerdings ein beachtlicher Teil nach Lübeck weitergegeben wurde. Im Jahr 1946 wurden dagegen nur wenige Schiffe aus Wesermünde nach Hamburg abdisponiert, so daß dieser Platz im wesentlichen auf seine eigenen Fänge und die Einfuhren, die allerdings beachtlich hinter den Erwartungen zurückblieben, angewiesen war. Anderseits hat Cuxhaven dafür die Versorgung der Industrie ohne eigene Häfen, also insbesondere Lübeck und die niederrheinische Industrie übernommen, wohin es zunächst etwa ein Drittel und später etwa die Hälfte seiner Fänge lieferte.

Die verhältnismäßig günstige Versorgung mit Heringen während der letzten Monate ist also nicht zuletzt auf den weitgehenden Verzicht auf Frischfischen zurückzuführen. Wie weit in diesem Jahr wieder eine Verbesserung eintritt, wird von der Durchführung des Dampferbauprogramms abhängen, insbesondere davon, ob der Bau größerer Dampfer genehmigt wird. Pl.