Von Oswin Pfeiffer

„Zu Ehren der Heiligen und Unteilbaren Dreieinigkeit ... kraft der Autorität unseres Herrn Jesu Christi ... nach reiflicher Überlegung und unter ständiger Anrufung des Göttlichen Beistandes ... schreiben Wir in den Kanon der Heiligen ein die Hochselige Francesca Xavier Cabrini ...“

Mit diesen Worten kanonisierte Papst Pius XII. im vorigen Jahr die erste Amerikanerin zur Heiligen der katholischen Kirche. „Mater Cabrini“ so rufen die Italiener sie an: „Saint Frances“ heißt sie in Amerika. Ihre sterblichen Überreste ruhen in einem Glassarg in der Kapelle der Maker-Cabrini-High-School in New York. Der von ihr gegründete Schwesternorden VOM HEILIGEN HERZEN JESU aber reicht über die ganze Welt.

Francesca Xavier Cabrini wurde am 15. Juli 1850. als 13. Kind eines Landmanns in dem kleinen italienischen Ort San Angelo geboren. Sie trat, kaum erwachsen, ins Kloster ein und gründete als Dreißigjährige zu Codogno in Italienern Missioar-Institut, das später zum Mutterhaus ihres Ordens werden sollte. Im Jahr 1889 trug sie dem damaligen Papst Leo XIII. ihren Wunsch vor, als Missionarin in Südostasien zu wirken. Dach Leo XIII. bestimmte, daß sie nach Amerika gehen solle, dort im Sinn der katholischen Mission zu wirken. Noch im gleichen Jahr rief sie in Chicago den Orden VOM HEILIGEN HERZEN JESU ist Leben, der heute etwa 4000 Schwestern umfaßt. längst über Amerikas Grenzen – hinausgewachsen ist und es überall neben dem allgemeinen Wirken im Sinn der katholischen Inneren Mission ab seine besondere Pflicht betrachtet, Waisenhäuser und Spitäler zu errichten, um den Armen und Bedrängten in christlicher Nächstenliebe zu helfen. In vielen Reisen durch das weite amerikanische Land verwirklichte die im Jahr 1909 zur amerikanischen Staatsbürgerin gewordene gebürtige Italienerin die sieben theologischen Tugenden der Gläubigkeit, Hoffnung, Wohltätigkeit, Weisheit, Gerechtigkeit. Herzensstärke und Mäßigung. 67 caritative Institute, von denen das Mater-Cabrini-Home tot Girls (1890) und die Mater-Cabrini-High-School in New York (1892) die bekanntesten sind, ehren ihren Namen. Die Gründerin des Ordens, die in selbstloser Aufopferung ihrem Dienst der christlichen Nächstenliebe nachging und deren durch schlichten Glauben genährte Tatkraft sich mit tiefer innerlicher Bescheidenheit paart, schloß am 22. Dezember 1917 in Chicago für immer die Augen. Ihr Geist und ihre Fürbitte aber wirken weiter.

Im Jahr 1921. vier Jahre nach den Tod der Heiligen Francis, wird in einem der Schwesternhäuser in New York ein krankes Kind eingeliefert, angesichts dessen die Ärzte- keinen Rat wissen. Da wendet sich die am Krankenbett Nachtwache haltende Schwester des Ordens VOM HEILIGEN HERZEN JESU im Gebet an Saint Francis, und das Wunder der Heilung geschieht. Vier Jahre darauf wird durch das Gebet einer anderen Schwester, die Mother Cabrini um Fürbitte am Gottesthron für einen von den Ärzten aufgegebenen, an unheilbarem Krebs schwer erkrankten Mann anruft, auch dieser auf wunderbare Weise geheilt. – Diese Wunder werden nach eingehender Prüfung im Jahr 1929 durch den Heiligen Stuhl anerkannt, und am 13. Dezember 1938 nimmt der Papst die Seligsprechung der Francesca Xavier Cabrini in feierlichem Amt vor. Ihr folgt im Jahr 1946 die offizielle Kanonisierung zur Heiligen. Niemals zuvor in der Geschichte der Kirche ist eine Heiligsprechung so rasch erfolgt: 29 Jahr; nach dem Tode.

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Die Kanonisierung der ersten amerikanischen Staatsbürgerin zur Heiligen durch den Vatikan in Rom dürfte wohl eine neue Epoche der katholischen Kirche kennzeichnen. Die Bedeutung des Ereignisses wird noch unterstrichen durch die Würdigung, die die etwa zur gleichen Zeit erfolgte Ernennung des Amerikaners Spellman zum Kardinal besonders in der amerikanischen Presse gefunden hat. Wenn heute in amerikanischen Blättern der Kardinal und päpstliche Staatssekretär Spellman ab „Nr.-2-man“ der führenden Köpfe der katholischen Kirche bezeichnet wird, so klingt das für europäische Ohren zumindest ungewöhnlich: diese Klassifizierung aber gewinnt an Berechtigung, wenn wir uns vergegenwärtigen, dat seit Jahrhunderten das für die Wahl der Päpste ausschlaggebende Kardinals-Kollegium zu zwei Dritteln und mehr im Italienern bestand. daß seit dem Jahr 1523 nur italienische Päpste gewählt worden sind, daß aber heute durch eine Verfügung des Papstes Pius XII. der italienische Anteil im Kardinals-Kollegium auf 40 v. H. beschränke worden ist und daß die im Jahr 1946 neu ernannten 32 Kardinäle aus 19 verschiedenen Ländern von allen sechs Kontinenten stammen und daß neben den mit 9 v. H. vertretenen USA beispielsweise auch China, Australien. Chile und Cuba vertreten sind. Man darf diese Ausweitung ab eine bewußte Doh tation des übernationalen Charakters der weltumspannenden katholischen Kirche betrachten. Ja, in amerikanischen Kreisen rechnet man heute schon mit der Möglichkeit der Wahl eines amerikanischen Papstes, wenn auch erst in fernerer Zukunft, denn noch immer werden 51 der gegenwärtigen Kardinäle, das sind mehr ab zwei Drittel, nach amerikanischen Feststellungen für einen europäischen Papst stimmen Nord- und Südamerika demgegenüber verfügen nur über 14 Stimmen.