Auf Einladung des Landeskirchenamtes der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers erörterten auf der ersten Kirchenbautagung in Hannover, der weitere Tagungen in Bielefeld und Lübeck folgen werden, Architekten und Theologen die Probleme, die sich aus der Notwendigkeit des Neubaues Hunderter zerstörter Kirchen ergeben.

Wenn sich die evangelische Kirche mit den Fragen des Wiederaufbaues ihrer zerstörten Gotteshäuser befaßt. so ist sie sich klar darüber, daß andere Bauvorhaben, vor allem der Wohnungsbau, Vorrang behalten müssen. Es handelt sich jedoch darum, heute bereits das Ziel abzustecken und die geistigen Voraussetzungen zu schaffen, damit man, sobald die materielle Möglichkeit zum Bauen gegeben ist, nicht etwa vor einem Vakuum steht, sondern im Kirchenbau architektonisch einen Stil entwickeln kann, der dem Wesen des Protestantismus entspricht.

Tatsache ist, daß sich die evangelische Gemeinde nicht mit Behelfsbauten, mit Gemeindesälen oder Schulen für den Gottesdienst begnügen will, sondem nach einem neuen Gotteshaus verlangt. So sehr sich in diesem Verlangen die neu erwachte Religiosität weiter Teile des deutschen Volkes ausdrückt, so wenig war auf der anderen Seite die Gemeinde bisher bereit und imstande, die Anforderungen zu überprüfen, die der Geist des Protestantismus an das evangelische Gotteshaus stellen muß; die Gemeinde nahm ihr Gotteshaus als eine geschichtlich gegebene Tatsache, ohne nach der Übereinstimmung von Bekenntnis und Architektonik zu fragen. Die Tatsache, daß in den letzten Jahrzehnten nur verhältnismäßig wenige Gotteshäuser gebaut worden sind, unterstützte solche Einstellung nachdrücklich.

Der evangelische Kirchenbau der Zukunft wird weit mehr, als die Vergangenheit es getan hat, davon ausgehen müssen, daß im Vordergrund des Gottesdienstes Wortverkündigung und Sakrament stehen. Kanzel und Altarraum werden deshalb die bestimmenden Elemente des Gotteshauses sein. Als drittes Element kommt der Gesang hinzu. Diese drei Faktoren: Wortverkündigung, Sakrament und Gesang, gilt es für den Kirchenbaumeister lebendig zu machen und ihnen die angemessene plastische Form zu verleihen. Dem Kirchenbau muß also eine Neubegegnung mit Gott vorausgehen: von innen nach außen soll sich die neue Kirche entwickeln als ein rechtes „Gotteshaus“. Vielleicht wird dieses Gotteshaus an die Urform des christlichen Baustils, die Basilika, anknüpfen und unter Überwindung alles Halben und Unechten, vor allem auch der unbefriedigenden Neugotik des letzten Jahrhunderts. In sich die Elemente einer echten, das heilt fortwirkenden Tradition vereinigen. Die Gemeinde erwartet von unserer Zeit keinen Dom, sondern eine der evangelischen Liturgie gemäße schlichte Stätte des Gesprächs mit Gott. -nn. 21 Barackenkirchen sind aus der Schweiz auf Veranlassung des Weltrats der Kirchen in Genf nach Deutschland geschickt worden. Der Wiederaufbau-Ausschuß der evangelischen Kirchen in Deutschland hat diese Barackenkirchen unter anderem folgenden Städten zugewiesen: Hamburg, Harburg, Hagen, Kiel, Bochum. München. Saarbrücken und mehreren Pfarreien in Niederbüren.