Von Oda Schaefer

Mir träumte, daß ich von Seifenblasen schrieb. Zugleich sah ich sie vor mir, wie sie sich zögernd lösten und gläsern, von rosa und grünem Hauch wechselnd überspielt, in die Höhe schwebten, wo sie in einer tiefen Dunkelheit zergingen. Aus dem Nichts kommend, im Nichts verschwindend, ein Spiel mit magischen Kugeln, deren Schwerelosigkeit und ätherische Beschaffenheit es ihnen verbietet, auf die Erde zu fallen und dort weiter zu rollen ... Hatte ich im Traum nicht auch das Wort „Erde“ niedergeschrieben? Zwei Kugelgestalten und doch einander so unähnlich, obwohl die eine trotz ihrer dichten Materie ebenso leicht und mühelos durch den Raum schwebt wie die andere; aber wenn sie auch nicht fällt, so steigt sie auch nicht, sondern bewegt sich nach ihrem innewohnenden strengen Gesetz in rasender Eile vorwärts, einem unbekannten Ziel entgegen, anderen Räumen, die sich in dem Maß entfernen, wie sie sich nähert. Dieses enorme Spiel der Erde hat Ähnlichkeit mit der Anziehungskraft, die einen unglücklich Liebenden, zur Ruhelosigkeit verdammt.

Als ich erwachte, trieb die letzte Seifenblase langsam in die Höhe und blieb oben als eine große silberne Kugel hängen, die ich einst für den Garten geschenkt bekam, dann aber in die Mitte der weißgetünchten Decke hängte, an den eisernen Haken, der eigentlich einen Kronleuchter aus venezianischem Glas hätte tragen sollen.

Aber nun hängt an seiner Stelle diese Silberkugel, und ich sehe mich in ihr auf meinem Lager hingestreckt. Ich sehe das ganze Zimmer darin, es – ist zu einem makellosen Rund geschlossen, während es – soviel ich mich noch im Schlaf befangen, erinnere – zu allen Zeiten rechteckig gewesen ist. Mir kann es gleichgültig sein, ich finde mich auch mit einer runden Welt ab; alles Vollkommene ist rund, sagt eine alte indische Weisheit. Ich starre nach oben, wo das Fenster nur eine kleine in einem Kugelraum ist. Rings ist der Kreis der Wände, schräg streben Bücherregale, Sekretär, Schrank, alles, was sich an die Winde lehnt, nach den Seiten auseinander, wie die Blätter einer Rosettenpflanze, und ich spiele mit dem Gedanken, daß die Welt viel harmonischer wäre, wenn jedes Ding dieselbe runde Form hätte wie die Erde.

Ich hatte also geträumt, daß ich von Seifenblasen schrieb – es war, als flössen die Gedanken aus der Feder oder als dachte die Hand für mich. Dies hatte mich mit einem unbeschreiblichen Vergnügen und einer Empfindung von Leichtigkeit erfüllt, wie ich sie sonst nie gekannt hätte. In diesem Traum gab es keine Hindernisse, es gab nicht die bleierne Schwere, die an den Sohlen klebt, wenn man auf der Flucht ist. Ja, das Gesetz der Schwere war aufgehoben. Die alte Erdkugel, vom gleichen Mohn betäubt wie ich, hatte ihre Anziehungskraft verloren, und so trieb auch ich gewichtslos wie eine Flocke im Strom des Lebens. Ist es nicht seltsam – so frage ich mich heute –, daß die Träume immer leuchtender, immer heiterer werden, je grauer und grausamer die Wirklichkeit sich zeigt?

Es mag sein, daß ich alle Qualen und Ängste, deren ein Menschenherz fähig ist, schon in den nächtlichen Bedrückungen der Kindheit erfahren hatte, wenn der graue Air wie ein Nebel in das Zimmer glitt. Damals hatte ich wohl die Todesfurcht gekannt, wie sie mich jetzt manchesmal überkommen mußte. Doch nun ist in dem schattenblauen Reich der Träume der Friede eingekehrt. der mir Leichtigkeit, Glück und ewige Jugend verleiht, als Krone für die Mühsal des Tages. Ein Paradies der Traumwelt, ohne Sünde und Schuld, ohne den Engel mit dem Schwert, der mich daraus vertreiben kann, denn ich bin allein, und die Welt ist nichts als ein wechselndes Bild ...

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