Die einen steuerfreien Betrag von 30 000 Dollar jährlich einbringende Stellung eines Präsidenten der Weltbank wird weiterhin am laufenden. Band maßgeblichen Bankiers und Beamten angeboten. Sie findet aber keinen Bewerber. Das ist für die Weltbank ein empfindlicher Schlag, zumal der Rücktritt des ersten Präsidenten Eugène Meyer viele ungünstige Kommentare ausgelöst hatte. Eugène Meyer brachte für dieses Amt alle Voraussetzungen mit, wenn ihm auch eine gewisse Passivität zum Vorwurf gemacht werden kann. Dank seinen bisherigen Tätigkeiten genießt er in der internationalen Finanzwelt das Vertrauen, das die Grundvoraussetzung für die Ausübung dieses Amtes ist. Als konservativer und gewissenhafter Bankier bietet er persönlich genügend Sicherheiten, daß die von der Weltbank gegebenenfalls zu gewährenden Kredite genauestens geprüft und auch untergebracht werden können. Wenn er nun nach nur sechs Monaten dieses Amt niederlegt, so läßt dies wohl den Schluß zu, daß die Weltbank mit erheblichen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen hat. Die vergeblichen Bemühungen, einen neuen Präsidenten zu finden, bestätigen diese Deutung. Die Hauptschwierigkeiten liegen offensichtlich in der Beschaffung des für die Gewährung von Anleihen erforderlichen Geldes.

Dieses Geld muß weitgehend von den USA aufgebracht werden, denn die vorgesehenen Schuldverschreibungen können wohl nur dort placiert werden, wenn auch zusätzlich geringe Mengen in Kanada, in der Schweiz, in Schweden und in anderen Ländern untergebracht werden könnten. Die USA sind aber zu einer großzügigen Kreditgewährung nicht mehr bereit. Sie. haben nach ihrer Meinung genügend geleistet. Allein die Pacht- und Leihlieferungen haben 50 Millionen Dollar erfordert. Die daneben während des Krieges und nachher gegebenen Anleihen werden bis auf. 10 Milliarden Dollar angegeben, wovon der Hauptanteil auf Großbritannien mit 3 3/4 Milliarden entfällt. Allein die Export-Import-Bank hat im ersten Halbjahr 1946 1157 Millionen Dollar Kredite gegeben gegen 1041 im zweiten Halbjahr 1945 und 1269 Millionen Dollar in den vorhergegangenen, elf Jahren. Von den 1157 Millionen entfallen 650 Millionen auf Frankreich sowie 310 Millionen auf Holland und Niederländisch-Indien. Hinzu kommen Kredite der Refico und Kredite aus privaten Quellen, aber besonders diese fließen neuerdings immer spärlicher. Die Bemühungen Hollands und Belgiens, die aus Prestigegründen direkt und nicht, über die Weltbank amerikanische Gelder aufnehmen möchten, scheinen gescheitert zu sein.

Die Weltbank soll jetzt den Kreditbedarf der Welt decken. An Anträgen fehlt es nicht. Bekannt werden Anleihegesuche im Gesamtbetrage von 2,3 Milliarden Dollar, davon 600 Millionen Dollar seitens Polens, je 500 Millionen seitens. Frankreichs und Hollands, 350 Millionen seitens der Tschechoslowakei und 250 Millionen seitens Irans. Die Eigenmittel der Weltbank sind aber nur begrenzt, so daß sie sich die Gelder selbst woanders beschaffen muß, und zwar, wie schon erwähnt, vorwiegend durch Ausgabe von Obligationen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Eugene. Meyer soll einen Plan ausgearbeitet haben, Schuldverschreibungen mit Debentures-Charakter und einer Laufzeit von zehn Jahren bei einem Zinssatz von 2,75 oder 3 v. H. herauszugeben, um so vielleicht bis zu 2 Milliarden Dollar aufzubringen. Die entscheidende Frage ist nun, ob amerikanische Institute diese Schuldverschreibungen als mündelsichere Papiere erwerben dürfen. Der Staat New York hat dieses Recht den Sparkassen und Treuhänderfonds gegeben, aber noch nicht den Versicherungen. Der Staat Wisconsin, hat dagegen die Anlage von Mitteln der Banken, Sparkassen und Versicherungen in ausländischen Papieren, darunter auch Schuldverschreibungen der Weltbank, verboten. Es deutet nun manches Zeichen darauf hin, daß die Gesetz-, gebung von Wisconsin für die Lage charakteristischer und maßgeblicher ist als die des Staates New York. Der Wahlerfolg der Republikaner hat die Aussichten weiter verschlechtert. Die Ära Roosevelts, in der amerikanische Soldaten, Materialien und Kapitalien überall in der Welt großzügig eingesetzt wurden, gehört der Vergangenheit an. Kreditgesuche und auch Anträge auf Unterbringung von Schuldverschreibungen der Weltbank Werden heute kritischer und genauer geprüft als vor einem halben, Jahr, als Eugène Meyer mit viel Optimismus sein Amt antrat. Die Entwicklung und besonders die Schwierigkeiten bei den Versuchen einer Placierung von Obligationen in den letzten Jochen haben Eugène Meyer schließlich veranlaßt, die Leitung der Weltbank niederzulegen. So kann heute von einer schweren Krise der Weltbank gesprochen werden. drgr.