Schon während des Krieges hatte Dänemark in Stockholm Verhandlungen über Englands Monopolstellung nach dem Kriege im Hinblick auf die Abnahme der dänischen Agrarüberschüsse geführt. Bei den Verhandlungen im Jahre 1944 und März 1945 hat der englische Vertreter zu verstehen gegeben, daß England die früher von Deutschland gezahlten Preise nicht zu übernehmen gedenke. Kurz nach dem Kriege schloß indessen Dänemark mit England einen Vertrag, der dem diskriminierten Muster bilateraler Handelsverträge ziemlich ähnlich sah. Man hatte sich für die danischen Waren auf eine Staffelung der Preise bis 1949 geeinigt, Dann sollen die Paritätspreise mit den Dominions erreicht sein. Eine Festlegung der Preise für englische Importwaren erfolgte nicht. Eine Schweizer Zeitung warnte damals die Dänen und sagte, daß sie sich vor lauter Dankbarkeit arm verkaufen würden und übersehen hätten, daß die Engländer im Kriege zwar Helden, jetzt aber in erster Linie Geschäftsleute seien.

Die Importeure waren mit der neuen Politik des „laisser faire“ sehr einverstanden. Nicht nur die Importe stiegen an, sondern auch die Preise für Rohstoffe. Bekam Dänemark für seine Agrarprodukte Preise, die 60 v. H. über denen von 1939 lagen, so waren die für Ölkuchen sogar um 330 v. H. gestiegen. Die Verzinsung der Landwirtschaft – sank auf 3 v. H. Die Regierung mußte die Preise stützen, da England nur 4,18 Kr. je Kilogramm Butter zahlt; der dänische Landwirt aber 4,80 bekommt. Fast 200 Mill. Kr. muß daher die Regierung an Subsidien aus der Hosentasche des Steuerzahlers nehmen.

Außer dem geringen Erlös für die Agrarüberschüsse hat die Aufhebung der Importkontrolle neben den Preiserhöhungen für Rohstoffe zu dem berüchtigten „Valutahöcker“ Dänemarks beigetragen. Das laufende Konto der dänischen Nationalbank bei der Bank von England weist nicht mehr, wie am Ende des Jahres. 1945, einen Saldo von 100 Mill. Kr. zugunsten Dänemarks auf, sondern eine Schuld von 700 Mill. Kr. Man sollte aber – wie dies fast alle dänischen Zeitungen tun – nicht übersehen, daß es die „freien Sterling“ gewesen sind, die Dänemark zu Futtermitteln verhalfen. Es hatte für 103 Mill. Kr. in Argentinien und Brasilien gekauft, selbst aber nur für 4 Mill. Kr. dorthin verkaufen können.

Einem Export von 1200 Mill. Kr. stand Ende 1946 ein Import von 2200 Mill. Kr. gegenüber. Dazu muß man noch die Subsidien an die Landwirtschaft rechnen. Das brachte selbst den dänischen Optimismus ins Wanken, der doch den ganzen Krieg über durchgehalten hatte. Unter dem Druck dieses „Valutahöckers“ wurde nun dem Reichstag ein Export-Import-Plan 1947 vorgelegt, der eine Erhöhung der dänischen Ausfuhr von Agrarprodukten um 300 Mill. auf 1200 Mill. Kr. vorsieht. Auf der anderen Seite will man wieder zur Importkontrolle übergehen. Die Einfuhr soll um 400 Mill. Kr. auf 2200 bis 2400 Mill. Kr. herabgesetzt werden.

Drei unbekannte Größen sind in dieser Gleidrang für die Bilanz 1947 enthalten: die Gewährung der Dollaranleihe, ein positives Ergebnis der Preisverhandlungen mit England und der Gewinn neuer sekundärer Märkte, wie sie „Politiken“ zur Teil-Eliminierung der englischen Monopolstellung forderte.

Zur Unterstützung und Vorbereitung der Preisverhandlungen haben beide Parteien einen Wellen-Nervenkrieg über die Wellen der Nordsee angefangen. Die BBC hat die durch Preissteigerungen verstärkten Inflationsgefahren in anderen Ländern an die dänische Wand gemalt und die Bedeutung der „freien Sterlings“ für die Futtermitteleinkäufe in Übersee hervorgehoben.

Die Wirtschaftspolitiker am Sund konstruierten nun ihrerseits einen „Schwarzen Mann“. Der Finanzminister mußte wiederholt als Bremser eingreifen, wenn eine Einschränkung der Einfuhr aus England und der Ankauf von Textilrohstoffen mit geliehenen Dollars zur Verarbeitung in Europa gefordert wurden. Der aus seinen Bemühungen um das „Eider-Kondominium“ bekannte Staatsminister Knud Kristensen forderte in seiner Neujahrsansprache einen Ausgleich zwischen Export und Import durch Vermehrung, der Ausfuhren auf der einen, durch Verminderung des Eigenverbrauchs, Unterversorgung mit Verbrauchsgütern und sogar Erweiterung des Rationierungssystems auf der anderen Seite.

Der Krieg hat nicht nur Wirtschaftsleben, sondern auch Glaubensformeln abgewertet. Früher glaubte man auf den glücklichen Inseln zwischen Bellen und Sund: „Der Mensch lebt vom Verdienst und nicht vom Brot allein“. Heute sollen die Insulaner auf den Satz, daß der Wohlstand mit Sparen anfängt, umgeschult werden. Es ist daher kein Wunder, daß der propagierte Übergang zur Margarine in einem Lande des Überflusses und zu nackten Waden anstelle von Nylons zumindest den Däninnen etwas wunderlich vorkommt... W. R.