Das Bild der deutschen Hochseefischerei entbehrt im Jahr 1946 nicht der freundlichen Farben; aber besonders unter den Eindrücken der Lage zum Jahreswechsel muß doch gesagt werden, daß die Erfolge nicht über die wesentlich größeren Schwierigkeiten hinwegtäuschen dürfen, die 1947 zu bewältigen sein werden. Wenn auch die deutsche Hochseefischerei schon in der zweiten Hälfte des Jahres1945 anlaufen konnte, so lag die Wiederingangsetzung doch mehr im Jahr 1946 Die erste Hälfte des vergangenen Jahres brache bereits steigende Anlandungen, die dann mit Beginn der deutschen Heringsfangsaison sprunghaft anstiegen.

Die drei wichtigsten Fischereihäfen Hamburg, Cuxhaven und Wesermünde hatten im Januar nur 4800 t Anlandungen, deren Umfang von März bis Juli zwischen 11 000 und 12 000 t monatlich lag. Während der Heringssaison von August bis September sprangen die Anlandungen dann auf 30 000 bis 33 000 t monatlich, um im November auf 12 000 t und im Dezember sogar auf etwa 5800 t zurückzugehen. Man sieht also, daß das Ergebnis durch den Ablauf der deutschen Heringifangsaison bestimmt wird. Maßgeblich wird das Gesamtergebnis jedoch durch die Tatsache beeinflußt, daß Deutschland von den wichtigsten Fanggründen an der norwegischen Küste und an der Barentsee ausgeschlossen ist.

Das vom Handelsstatistischen Amt in Hamburg vorgelegte Ergebnis für 1946 läßt im Vergleich mit dem letzten Friedensjahr 1938 diesen Einfluß deutlich erkennen. Zunächst muß darauf hingewiesen werden, daß die Zahl der Fischdampfer, deren Fänge das Gesamtbild bestimmen, von 403 bei Ausbruch des Krieges auf 132 zurückgegangen ist. Es kommt noch eine leichte Senkung der durchschnittlichen Leistungsfähigkeit hinzu. Allgemein kann man feststellen, daß die Ergebnisse um etwa zwei Drittel zurückgegangen sind! Berücksichtigt man die vielen technischen Schwierigkeiten und vor allem die Einschränkungen der Fanggründe, dann müssen bei diesen Fangergebnissen die Leistungen der deutschen Hochseefischerei besonders hoch eingeschätzt werden.

Die Heringssaison brachte Spitzenanlandungen, wodurch das Absinken des sonstigen Fischfangs teilweise ausgeglichen wurde. Von insgesamt 2188 (1938: 6500) Fangreisen brachten die Fischdampfer 166 260 (555 348) t Fische heim. Mit 33 v. H. der Vorkriegsreisen wurden also 30 v. H. der damaligen Fänge hereingeholt, während der Wert 81 v. H. betrug. Da die Anlandungen während der Heringssaison durchschnittlich höher lagen, ist das Ergebnis des übrigen Fischfanges entsprechend niedriger.

Recht aufschlußreich ist ein Vergleich der Ergebnisse in den verschiedenen Fanggebieten, weil er deutlich erkennen läßt, welches Gewicht die norwegische Küste und die Barentsee für die Vorkriegsfänge hatten. Auch tritt die Rückläufigkeit der Anlandungen von der isländischen Küste hervor, die zum beachtlichen Teil durch die Sperrung des „Rosengartens“, einem wichtigen Fanggebiet für Rotbarsch, hervorgerufen wurde. Es ergeben sich nach unseren Informationen nachstehende Änderungen:

Die Fahrten in die Nordsee erbrachten also etwa 50 v. H. der Vorkriegsfänge, allerdings bei 60 v. H. der Reisen. Das ist wieder ein Beweis für die Ergiebigkeit des Nordseefangs, besonders, wenn man berücksichtigt, daß gerade hier die Heringsfänge recht günstig waren. Die Fahrt nach Island ergab etwa 20 v. H. der Fänge bei etwas geringeren Reisen. Dagegen schnitten die Bäreninseln sehr günstig mit etwa 50 v H. der Fänge und etwa 30 v. H. der Reisen ab. In den heute für die deutsche Fischerei gesperrten Gebieten wurden 1938 145 930 t gefangen, d.h. etwa ein Drittel der damaligen Fänge überhaupt! Die 1946 statistisch erfaßten Reisen an die norwegische Küste betreffen anscheinend Reisen nach Spitzbergen; sie sind aber unbedeutend. Die nur für die deutsche Hochseefischerei geltenden Sperrungen machen sich in den gegenwärtigen geringen Anlandungen besonders deutlich.

Die Entwicklung war in den einzelnen Häfen recht verschieden. Neben der Struktur der Häfen sprechen naturgemäß auch technische Möglichkeiten mit. So spielt bei Hamburg, das mit 37 v. H. der Fahrten noch 34 v. H. der Anlandungen von 1938 aufweist, der schon immer große Anteil des Heringsfangs auf Grundlage der überragenden Bedeutung seiner Fischindustrie eine wichtige Rolle. Ebenfalls die Tatsache verhältnismäßig geringer Kriegsverluste und – abgesehen von den letzten Wochen des vergangenen Jahres – die des guten Zustandes der Fahrzeuge. Dieser läßt in Cuxhaven das Ergebnis mit 42 v. H. der Fahrten und 33 v. H. der Fänge die höheren Schiffsverluste etwas ausgleichen. Allerdings fehlen hier die bedeutenden Fänge der Lofoten und der Barentsee; es kommt noch ein Rückgang der Islandfänge auf fast 13 v. H. hinzu. Wenn Wesermünde mit 28 v. H. der Fahrten und 22 v. H. der Fänge den stärksten Rückgang hat, so liegt das zunächst an den hohen Verlusten dieses Platzes. Er hatte außerdem stark unter Eingriffen der Besatzungsmacht durch die Beschlagnahme von Kohlen zu leiden, wodurchbeachtliche Teile der Fischereiflotte zeitweilig brachlagen. Hier macht sich aber auch der Fortfall der norwegischen Küste, der Barentsee und des „Rosengartens“ bemerkbar.