DIE ZEIT Wirtschaft

Für Ausfuhrgeschäfte der amerikanischen Zone ist der Verrechnungskurs mit 30 Cents pro Reichsmark oder 3,33 RM pro Dollar festgesetzt worden, es sei denn, die Lage am Weltmarkt mache für einzelne Produkte, wie z.B. Kohle, Sonderregelungen notwendig.

Damit wird eine wichtige währungswirtschaftliche Normalisierung eingeleitet. Bisher wurden die deutschen Lieferanten gemäß den behördlich kontrollierten deutschen Inlandspreisen abgefunden, Während der an den Weltmärkten erzielte Devisenerlös in die Kassen der Besatzungsmächte floß und für die Zahlung der Einfuhr zur Verfügung stand. Irgendeine Umrechnung war dabei an sich nicht notwendig. Aber einen Überblick mußte man schließlich haben, ob sich ein Ausfuhrgeschäft rentiert, und so ergab sich von selbst eine Errechnung der Parität der Reichsmark aus den Geschäften des Tages..

Die Festsetzung der Parität einer Währung ist eine Lieblingsbeschäftigung für Reißbrett-Planwirtschaftler. Man nehme die Kennzahlen der Großhandelspreise, mische sie mit so vielen Faktoren Wie möglich, damit man wenig Anlaß zur Kritik gebe, und errechne so die Parität der Kaufkraft und der Währung. Die Ermittlung eines angemessenen Währungskurses ist auf diesem Weg möglich, aber bei der augenblicklichen deutschen Preis- und Kostenlage sehr schwierig. Die aus den Geschäften errechneten Paritäten bewegten sich meistens um 3 RM pro Dollar, gingen in Einzelfällen bis auf 5 RM und andererseits bis auf 5 RM. Im Eisenbahnverkehr gilt ein Pfund gleich 13,20 RM.

Bei der Festsetzung der Parität der Reichsmark handelt es sich aber nicht so sehr um theoretische Berechnungen und praktische Erfahrungen, sondern am politische Momente. Der Kurs muß so festgesetzt werden, daß Deutschland exportieren kann, um die zugelassene Einfuhr bezahlen zu können. Ein Mehr an Export ist den Besatzungsmächten ebensowenig erwünscht wie ein Weniger, denn bei einem Mehr wird das Exportgeschäft anderer geschädigt und bei einem Weniger die Bezahlung der deutschen Einfuhr fraglich. Die getroffene Lösung ist nun eher zu niedrig als zu hoch erfolgt. Zwar ist anscheinend die Mehrzahl der Exportgeschäfte zu niedrigeren Kursen als 3,33 RM pro Dollar möglich gewesen, aber es ist noch zu beachten, daß es sich um Sonderexporte handelte, um Waren, die im einstigen deutschen Gesamtexport wenig besagten. Das Bild wird ein anderes sein, wenn die ins Gewicht fallenden deutschen Exportgüter, wie Maschinen, Chemikalien und Textilien am Weltmarkt angeboten werden können und wenn die Kostensteigerungen eintreten, die bei der Knappheit an Waren und bei den geringen Arbeitsleistungen infolge des Ernährungsstandes unvermeidlich sind. Es wird sich zeigen, daß bei dem Kurs von 3,33 RM manches Geschäft sich nicht lohnt. Eine Abwertung der Reichsmark wird dann gefordert werden, aber wohl nur schwer zu erreichen sein.

Die Währung wird in den kommenden Jahren zu einem immer wichtigeren Instrument im Kampf um den Weltmarkt werden. Wenn die jetzige Absatzkonjunktur zu Ende ist, der Abnehmer mehr auf Preis und Qualität achtet und es am Weltmarkt enger wird, dann werden (wie zwischen den beiden Kriegen) Exportkreise vieler Länder eine Abwertung Ihrer Währung verlangen. Sie werden mit einer gewissen Berechtigung darauf hinweisen können, daß die alten Paritäten, die jetzt global vom Währungsfonds übernommen worden sind, den unterschiedlichen Preissteigerungen nicht genügend Rechnung tragen. In Großbritannien sind die Großhandelspreise gegenüber der Vorkriegszeit auf 182 gestiegen, in den Niederlanden dagegen auf 259, in Dänemark auf 196, in Neuseeland anderseits auf 153 und in Australien auf 140. Dies bedeutet, daß dänische Nahrungsmittel in Großbritannien im Vergleich mit denen der Dominien zu teuer sind. In solcher Sachlage wird die Versuchung, immer groß sein, durch eine Abwertung der Währung eine Erleichterung zu schaffen. Solche Möglichkeiten wird man Deutschland wohl kaum zugestehen. Deutschland wird die Parität der Währung mehr oder weniger diktiert. Das Diktat stellt der deutschen Industrie die undankbare Aufgabe, die Kosten und Preise so niedrig zu halten, daß bei diesem Kurs exportiert werden kann. drgr.