Gesammelt von Werner Deusch

Die zweite Garnitur

Ein reicher Krawattenhändler, der sich mit der Gloriole des Kunstsammlers und Mäzens zu umgeben liebte, zeigt Renoir in seinem Landhaus in der Nähe von Paris zwei kleine schlechte Landschaften, die die Signatur Corots tragen. Als der Maler Zweifel an der Echtheit dieser Machwerke zu äußern wagt, entgegnet der Besitzer; „Pah, fürs Land!“

Das standesgemäße Bildnis

Der reiche Bankier Pillet-Will, auf der Suche nach einem Bildnismaler, wird von einem Bekannten in das Atelier des damals noch nicht „arrivierten“ Renoir gebracht. Als er den bescheidenen, von dem Künstler für ein Porträt geforderten Preis erfährt, lehnt er die Erteilung des Bildnisauftrags mit der Begründung ab: „Sie müssen verstehen, ich bin kein Kenner, aber selbst wenn ich Kenner wäre, so kann ich wegen der Stellung, die ich einnehme, nur Bilder von Künstlern kaufen, die hohe Preise haben. Deshalb muß ich mich mindestens an Bouguereau wenden, es sei denn, daß ich einen noch teureren Maler finde. Der Cézanne meiner Frau

Der bekannte französische Kunsthändler Ambroise Vollard erzählt die folgende Anekdote, die so bezeichnend ist für jene Sorte von Sammlern, „die sich Sammlungen halten, wie andere Leute Rennställe“. Der Vicomte de J. äußert sich bei einem Besuch des Ladens Vollards etwas abfällig über die Impressionisten, obwohl er doch bereits Tor zehn Jahren auf einer öffentlichen Versteigerung ein Bild von Cézanne gekauft hatte. Als der Kunsthändler darüber eine Bemerkung fallen läßt, erhält er die Antwort: „Nicht ich, sondern die Vicömtesse hat es gekauft.“ – „Aber wie finden denn Sie, Herr Vicomte, dieses Werk von Cézanne?“ – „Ich habe es nicht gesehen, es hängt im Schlafzimmer der Vicomtesse...“

Kunst als Luxus