Sechs Pence kosten Photokopien der auf dem Londoner Patentamt ausliegenden deutschen Patente. Sechs Pfund pro Tag zahlen britische Unternehmer an die britische Regierung, wenn sie deutsche Fabrikanten, zu einer „Aussprache“ über Fabrikationsmethoden „einladen“.

Diese Aneignung deutscher Produktionserfahrungen und Patente wird nach Ansicht der schwcizerischen Zeitung „Tat“ „viel tiefgreifendere und weittragendere Folgen haben als die Zerstörung der deutschen Städte und Industrien und die Wegführung deutscher industrieller Einrichtungen“,

An Einzelheiten berichtet die „Tat“, daß rund 70 000 deutsche Patente und eine Anzahl von Sonderverfahren als Kriegsbeute freies Gemeingut aller alliierten Mächte geworden sind. Zur Erfassung der Patente folgte eine Sondertruppe. den kämpfenden Soldaten. Später begaben sich 10 000 Techniker und Wissenschaftler nach Deutschland, um in über 10 000 Fabriken und Büros Untersuchungen anzustellen und dabei Dokumente, Patente, Maschinen usw. zu beschlagnahmen. Rund 14 000 Untersuchungsberichte wurden bisher veröffentlicht.

Ob diese von den alliierten Mächten angeeigneten deutschen Geheimverfahren und Patente einmal als Reparationsleistungen gutgeschrieben werden, ist noch nicht entschieden, wie von Sir Stafford Cripps mitgeteilt wurde.

Diese* Fragen wurden eingehend erörtert, als sich kürzlich die Hamburger Bürgerschaft mit dem Reparationsproblem befaßte. Die Abgeordneten Klabunde, Fischer und Wilkening geißelten bei Anerkennung der moralischen Verpflichtung zu Reparationsleistungen in scharfen Worten diese „das Leben des deutschen Volkes gefährdenden Reparationsleistungen, dieses Aufspüren von Produktionsgeheimnissen und Herstellungsverfahren“. Die Methode ist um so unerträglicher, als jeder englische Privatmann berechtigt ist, deutsche Privatleute seines Interesses zum Verhör nach London zu bestellen. Das mag sich in höflichen Formen abspielen; aber es ändert nichts an einem Unrecht, auch wenn es höflich verbrämt ist.

Nachdem so und in anderen Formen Reparationen aus der Substanz genommen worden sind, sei es aus Angst vor einem lästigen Wettbewerber, sei es, um durch den Krieg aufgerissene Lücken zu decken, sollen jetzt Reparationen aus, der laufenden Produktion genommen werden. Bisher ist eine Reparationszahlung aus der laufenden Produktion von den Amerikanern und, allerdings weniger ausgeprägt, von den Engländern abgelehnt worden, weil so das amerikanische Geschäft und der Markt der Auslandanleihen gestört würden, denn wenn ein drittes Land Waren aus Deutschland bezieht, ist es auf amerikanische Waren und Anleihen kaum noch angewiesen. Nun erfolgt ein Kurswechsel. Als offenkundige Vorteile der neuen Politik für Deutschland wird in einem Bericht aus London angeführt, daß „die Gefahr eines radikalen Anlagenabbaus und der Substanztransferierung verschwindet und damit eine der größten psychologischen Wirtschaftshemmungen“. Es ist nun aber zu fragen, was denn noch als Substanz geblieben ist. Als Substanz brauchen wir nicht nur die im

Die polnischen Wahlen, die am Sonntag stattfanden, haben den erwarteten Erfolg des demokratischen Blocks, also der Regierungspartei, gebracht. Endgültige Zahlen liegen noch nicht vor. Der Führer der polnischen Bauernpartei, Mikolajczyk, hat jedoch schön jetzt angekündigt, daß er beim polnischen Obersten Gerichtshof die Wahlen anfechten werde.