Die Organisation des deutschen Geld- und Kreditwesens ist, technisch gesprochen, eine Art Verbundwirtschaft, deren Glieder sich gleich kommunizierenden Röhren gegenseitig ergänzen und in ihrer Versorgung ausgleichen. Die Störungen in der Elektrizitätswirtschaft sind eine treffende Illustration zu den Folgen, die willkürliche Abschaltungen einzelner Teile hervorrufen. In der Geld- und Kreditversorgung waren solche Wirkungen bisher nicht zu verzeichnen, wenn man auch in Süddeutschland neuerdings mit einem „gewissen Stolz darauf hinzuweisen pflegt, daß die dortigen Kreditinstitute, vor allem die dortigen“ Niederlassungen der Filialbanken, keine Weisungen der Hamburger Zentralen mehr entgegennehmen dürfen.

Angesichts der Bestrebungen, die Banken nach Ländern aufzuspalten, läge es natürlich nahe, daß die nunmehr regional interessierten Geschäftsstellen noch schnell möglichst Viele Vermögenswerte, vor allem flüssige Mittel, auf Kosten anderer Bezirke an sich zu bringen trachten. Man wird annehmen dürfen, daß die Männer des Bankfachs einmal zu nüchtern urteilen und zum anderen von einem zu starken traditionellen Gemeinschaftsgefühl beseelt sind, um solchen Versuchungen zu unterliegen. Aber auch die süddeutsche Presse denkt in weiteren Räumen. So schrieb kürzlich die „Stuttgarter Wirtschafts-Zeitung“, daß es nicht in der Absicht der zuständigen Stellen liege, das Kreditgeschäft mit Länderzäunen, abzugrenzen. Sie meinte weiter: „Auch bei weiterer organisatorischer Dezentralisierung soll doch das künftige Bankgeschäft insbesondere privater Kreditinstitute sich frei über die Länder- und hoffentlich auch Zonengrenzen entfalten können.“ Das Blatt mußte jedoch hinzufügen, daß es nicht an gelegentlichen Anzeichen einer (ziemlich kurzsichtigen) Politik finanzieller Autarkie fehle, die sich dem freien Fluß der Gelder zwischen den Ländern entgegenzustellen scheinen.

Dabei wurde offenbar an das bayrische Finanzministerium in München gedacht, das die dortigen Kreditinstitute angewiesen hat, keinerlei Geldleihgeschäfte mit Banken außerhalb Bayerns zu tätigen oder dort geschuldete Gelder zurückzuzahlen, ohne vorher mit der Reichsbankhauptstelle München (jetzt Landeszentralbank) abgestimmt zu haben. Es wurde vorbehalten, solche Zahlungen zu untersagen, auch wenn sie Schwesteranstalten der bayrischen Institute außerhalb Bayerns betreffen. Es fehlt nur noch, daß man das Mitführen von Geldscheinen beim Überschreiten der bayrischen Grenzen auf einen Höchstbetrag beschränkt, und – die bayrische Devisengrenze ist fertig.

Es ist zu befürchten, daß die süddeutsche Dreieinigkeit, die schon bei Errichtung der Landes-, Zentralbanken sich als nicht hieb- und stichfest erwies, jetzt einen weiteren Riß erhält und daß die anderen Länder zu entsprechenden Gegenmaßnahmen schreiten. Dies alles steht aber im Zeichen der wirtschaftlichen Vereinigung zweier Besatzungszonen Wenn man hierzulande diesen Temperamentsausbruch einer wirklichkeitsfremden Bürokratie noch mit einer gewissen Heiterkeit zur Kenntnis nehmen darf, so ist die Angelegenheit für unsere bayrischen Landsleute viel ernster. Wer wird wohl noch Geld nach München borgen, wenn die dortigen Behörden die Rückzahlung an das nichtbayrische...Ausland“ zu verbieten gewillt sind?