Von Josef Niemöhlmann

Der Verfasser ist Obmann der Fachabteilung Rundholz im Holzhandelsverband für die Hansestadt Hamburg, Lübeck und Schleswig-Holstein.

Minister Hynd hat angekündigt, daß Deutschland (das heißt doch wohl die britische Zone), vor dem Kriege nach England. das bedeutendste Holzimportland Europas, in ein großes Holzausfuhrland verwandelt werden soll. England erwartet, daß Deutschland ab 1947, nach Kanada, sein größter Holzlieferant sein wird. Bereits seit einem Jahr treffen laufend Dampfer mit Holz von Hamburg in England ein.

Die Waldfläche der britischen Zone betrug 1934 1,87 Millionen Hektar (einschließlich der Flächen unter 5 Hektar) mit einem Holzvorrat von etwa 205 Millionen Festmetern. Diese Schätzung liegt an der oberen Grenze. Bis 1933 war es Prinzip der deutschen Forstverwaltung, nicht mehr einzuschlagen, als dem Wald zuwuchs; war der Bedarf größer als der Zuwachs, so wurde die Fehlmenge importiert. Als seit 1934 der Verbrauch erheblich zunahm und die Devisen nicht ausreichten, um den Import entsprechend zu steigern, wurden alljährlich nominell 50 v. H. mehr eingeschlagen, als zuwuchs; tatsächlich war die Übernutzung jedoch noch größer. In zwölf Jahren wurde die Substanz um ein Fünftel verkleinert, wozu noch zusätzliche Verluste durch Sturm, Borkenkäferfraß und Waldbrände kommen, so daß der Gesamtbestand um 45 Mill. Festmeter abnahm. 1 945 betrug der Holzvorrat noch etwa 160 Millionen fm, davon waren 19 Millionen fm nicht nutzbarer Jungwald und 141 Mill. fm reifere Bestände – nämlich über 30jähriges Nadelholz und über 50jähriges Laubholz. Nach diesen großen Verlusten hätte der Wald einer langen Schonung bedurft, zumal der jahrelange Mehreinschlag überwiegend ältere Bäume, betraf. Nadelhölzer brauchen 100 bis 120 Jahre, um Schnittholz und gutes Bauholz zu liefern. 40- bis 30jährige Bestände geben meist nur Grubenholz und geringes Bauholz. Laubhölzer brauchen 100 bis 200 und mehr Jahre bis zur Schlagreife.

Von der Waldfläche des deutschen Altreiches (Grenzen des Jahres 1937) von 12,7 Millionen Hektar entfallen 15 v. H. auf die heutige britische Zone. Bis 1933 hatte dieses Gebiet einen Derbholzzuwachs von 5,4 Millionen fm jährlich. Von dem gleich hohen Einschlag waren 2,1 Millionen fm Brennholz und 3.3 Millionen fm Nutzholz. In den folgenden Jahren wurde der Brennholzanteil durch bessere Versorgung mit Hausbrandkohlen und schärfere. Erfassung nutzbaren Holzes erheblich gesenkt,

1938 betrug der Nutzholzverbrauch des Altreiches 54 Millionen fm, das heißt je Kopf der Bevölkerung nicht ganz 0,8 fm. Der Anteil der britischen Zone hieran war wegen des Bergbaus, des Industrie- sowie des Baubedarfs der vielen Großstädte stets wesentlich höher als in den anderen Teilen des Reiches. Im Bergbau der britischen Zone wurden 1938 4 Millionen fm Grubenholz verbaut. Im letzten Vorkriegsjahr sind hier schätzungsweise insgesamt 22 bis 23 Millionen fm Nutzholz verbraucht worden; davon kamen etwa 80 v. H. (17 bis 18 Millionen fm) aus anderen Reichsgebieten und aus dem Ausland. Ein so waldarmes Gebiet wie die britische Zone nach den katastrophalen Eingriffen der Nazizeit heute noch zu einem großen Holzexportland machen zu wollen, wird in sehr kurzer Zeit zum Zusammenbruch der Forst- und Holzwirtschaft dieser Zone führen.

Im Jahre 1946 wurden in der britischen Zone insgesamt 18 Millionen fm gefällt. Die erfaßte Menge betrug gemäß den bei den Behörden eingegangenen Meldungen 16 Millionen fm, hinzu kommt etwa 1 Million fm, die in Direkt-Aktionen, und 1 Million fm, die in unkontrollierbaren Hauungen eingeschlagen wurden, das sind 11 v. H. des gesamten heute noch vorhandenen Waldbestandes der britischen Zone. Der Brennholzanteil betrug 10 Millionen fm, von denen aber 6 Millionen fm wertvolles Nutzholz waren. 8 Millionen fm verblieben für Nutzzwecke. Hiervon wurden zum Export angefordert: 325 000 fm Rundholz, 425 000 fm Grubenholz, 535 000 cbm Schnittholz (gleich 900 000 fm Rundholz), insgesamt also 1,65 Millionen fm Rundholz. Hierbei sind die Mengen nicht Berücksichtigt, die durch direkte Aktionen militärischer Dienststellen gewonnen wurden, von denen ein Teil vermutlich ebenfalls verschifft wurde. Die Verladungen erreichten bisher die vorgesehenen Mengen zweifellos nicht, denn erst nach Überwindung großer Schwierigkeiten konnte der Abtransport über Hamburg, Lübeck und die Ems in vollem Umfang einsetzen.