Eine Abordnung britischer Parlamentarier, Labour-Abgeordnete wie Konservative, hat vor einiger Zeit Griechenland besucht und soeben ihren aufsehenerregenden Bericht veröffentlicht. John Cyril Maude ist Jurist und gehört der Konservativen Partei an. Er teilte unserem Londoner Vertreter, Alfred Joachim Fischer, seine Eindrücke über die Verhältnisse in Griechenland mit, dessen Land und Leuten er aufrichtige Sympathie entgegenbringt.

Frage: Was halten Sie für das Haupthindernis einer innerpolitischen Stabilität in Griechenland?

Antwort: Man muß leider schon von mehreren Haupthindernissen sprechen. Griechenlands politische Zersplitterung, die an das Weimarer Deutschland in seiner Todesphase erinnert, ist eine Tragödie. Während der Märzwahlen konkurrierten 40 Parteien miteinander Das ist kein parlamentarisches System mehr, sondern eine Farce. Auch scheint mir die griechische Politik ein Reservat für bestimmte Berufe, wie Juristen, Professoren und Soldaten. Im Gegensatz zu England halten sich Griechen mit höherem Einkommen fast völlig vom politischen Leben fern. Gesunder Parlamentarismus setzt aber aktive Beteiligung aller Bevölkerungsschichten voraus. Allgemein beobachtete ich unproduktive Leidenschaft für Kleinlichkeiten und Haarspalterei. Jede Partei mißtraut der anderen und ist eifersüchtig auf sie.

Frage: Halten Sie jede Möglichkeit einer Allparteienregierung in Griechenland für ausgeschlossen?

Antwort: Im gegenwärtigen Augenblick ist eine Koalition mit Einschluß der extremen Linken praktisch undenkbar. Ich würde es schon als großen Erfolg betrachten, wenn man die übrigen Parteien zusammenbrächte und danach, in ausgeglichenerer Atmosphäre faire Neuwahlen veranstalten könnte. Vorauszusagen, daß dann die parlamentarische Plattform für ein lebensfähiges Koalitionskabinett mit mindestens 18 Monaten bis zwei Jahren Amtsdauer zustande käme, wäre jedoch nach vorangegangenen trüben Erfahrungen leichtsinnig. Leider ist die Tendenz vorherrschend, keiner Regierung eine Bewährungschance zu geben. Ich fürchte, Griechenland hat die Gabe des Regierens und Sich-regieren-lassens verloren.

Frage: Wie ist die Position des heimgekehrten Königs?

Antwort: Zweifellos außerordentlich schwierig. Das Volk wollte ihn als Bollwerk gegen den Kommunismus zurückhaben, also aus negativen und nicht aus positiven Gründen. Ich hoffe, daß niemand naiv genug war anzunehmen, die Restauration der Monarchie würde automatisch eine reibungslos arbeitende politische Maschinerie herbeiführen.