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6s ist für einen ausgebombten Städter, der auf ,, dem Lande lebt, ein sonderbares Gefühl zu Rissen, daß dieses weltabgeschiedene Schwarzwald; orf, in dem er nun wohnt, einmal eine Stadt war, ifudi sie einmal wichtig für ihre Zeit wie die, deren Jfrümmer er verließ, auch sie zerstört unter den Jeuerbränden des Krieges. Zwar gibt es noch Häuser Snd Gassen, und die Glocken des nahen Klosters iflingen höchst gegenwärtig, aber dennoch scheint in ihrem Klang etwas zu schwingen von den Slocken des versunkenen Vineta. Denn die Stadt Jst nicht mehr seit genau 60O Jahren; sje ist von den teilen verschlungen. Der Städter denkt an seine Beliebten heimischen Straßen Plätze und Bauten, m die Häuser, in denen er aus- und einging und ileren zerfallene Mauern tot daliegen, nun schön Seit ein paar Jahren grün überwuchert wie die Mauern und Plätze Pompejis! Er denkt an Chidher !en "Grünen", jenen sagenhaften arabischen Waritierer, der durch die Jahrhunderte geht und die Städte emporwachsen und zusammenfallen sieht We in einem Zeitrafferfilm "Und aber nach fünf; fundert Jahren kam er desselbigen Wegs geihren" . Wiesen sah er, Bauern und weidende : lerden, wo eben noch die mächtige Stadt geStanden. Was wipd Chidher sehen, wenn er das Jachste Mal zur Heimatstadt gefahren kommt? ; : Der Städter ist kein romantischer Schriftsteller, lein Scott oder Hauff oder Rückert, der eben jenen Chidher besang, sonst säße er gewiß manche Stunde juf dem Scharfenstein, der die zum Dorf herab esurikene Stadt überragt, und träumte sich in vergangene Zeiten zurück, sähe die Mauern der Raub urg wieder emporwachsen und den verkommenen charfensteiner mit seinen Knechten über die Zugffrücke reiten, erblickte vielleicht seihe Frau, die fürgfräulein Rothilde, mit dem er sie betrog. Nein, |in Romantiker ist der ausgebombte Städter nicht. enn er nachmittags um drei den Kopf hebt und" 1 us dein Fenster sieht, kommen gerade die Frei |urger vom Zug mit Rucksäcken und Taschen, dünne ä estalten in einer verschlissenen Eleganz. Sie hoffen % n paar Käschen zu bekommen, einen Liter Mager; ilch ,eine Tasche Kartoffeln. Nun passieren sie die %elle, wo die Wiese des Salzbäuern an das neue. , Jfaus im Schweizer Stil grenzt. Chidher, dem beob"piteten Städter über die Schulter durchs Fenster J>hend, erblickte gewiß an Stelle cter weißgetünchten Iferanden die Stadtmauer von 1346, den Graben ;Jnd das Tor, durch das jene Freiburger zogen, die gjamals die Stadt zerstörten, die Münster hieß. Da"Ijals schleppten di Freiburger Bewaffneten eine ijidere Beute heim, Silber und Gold statt Mager xj iilch Und Kartoffeln, Pferde und Vieh statt einer fiasche Äpfel. Denn die Stadt Münster war reich. Sind hinter ihnen ging die Stadt in "Flammen auf. :| Seitdem ist nun Münster ein Dorf — nicht einmal ;ias, sondern Teil des größeren Dorfes UnterJiünstertal, aber immer noch nennen die Leute lesen Teil "Münster". Wo einst das Kaufhaus f jland, steht nun die Wirtschaft "Zum Adler". Die f "ifadtgasse, die einst die fremden Kaufleute von ; |either gezogen kamen, um Silber gegen Baseler ""Xfjeld einzutauschen oder gemünztes Silber zu beäfellen r- denn den Silberbergwerken verdankte die fadt ihren Reichtum —, ziehen heute die""Sdinedb", jjcöraerschlitten auf zwei Rädern, beladen mit Mais, ijijras oder Kartoffeln. Aus der Stadtgasse ist eine Ijorfstraße geworden, wenn sie den alten Namen Sich immer noch führt. Bauernhäuser, Gemüsejirten und Weiden bedecken den Boden, der vor y JöO Jahren die prunkvollen Häuser des Graben- Sj sitzers Henni Kreuz von Kroppach und der AdeJgen von Döttingen und des Klaus. Absalön von flodtnau trug. ; S Münster, älter uad einst sogar mächtiger als Freifjirg, war damals die bedeutendste Stadt bisBrei: |ch. Sein Abstieg begann, als einer seiner Vögte, >jstochen, wie man "glaubt, das Münzrecht an die jfeiburger abgab. Immer mehr vom Besitz des alten IJlünster wurde an die Freiburger verpfändet. In |rer Not setzten schließlich & Münsterer sich Aer die Pfandrechte hinweg und ließen die bereits ftrsdiuldeten Besitztümer von Herzog Albrecht [Jan Österreich erneut beleihen. So blieben die Jfeiburger Pfandbriefe uneingelöst. Krieg. ZerstöJJjing und Ende Münsters waren die Folge. llZ>er letzte Krieg hat das Schwarzwaldtal ver;JJJhont, aber Freiburg zerschlagen und verbrämst. |fenn nun Freiburger Bürger ins Münstertal jlpmmeh, so kommen sie nicht als fordernde Jperren, sondern als bittende Hamsterer nicht mit Äken und "Schwertern, sondern mit etwas Gegenare. Silberist im Münstertal nicht mehr zu holen, eines der Bergwerke kam wieder in iffang, als Hitler die Metalle aus allen Ecken zummenkratzte. Heute halten acht Arbeiter den IJpacht notdürftig, in Betrieb. Man findet noch jHJWerspat und Blei, doch nur noch Spuren von Iber.

Aber die toten Schächte nahmen in den letzten triegswochen die Münstertäler auf und schützten e gegen Bordwaffenbeschuß und gelegentliche Jombenwürfe. In diesen Schächten, die Hunderte jon Metefti unter die Berge führen, fühlten die j jewte sich sicher wie in Abrahams Schoß "Von uns l", sagen sie, kann die Atombombe kommen aUs etwa die Atombombe das nächste halbe Jahrl| kisend einleiten sollte bis zu Chidhers Wiederihr, und falls es für ihn dann noch löhnt, desI llbigen Wegs gefahren ZB kommen.