Ob di forgeschlagene seuberung unserer ortografi wirklich zweckmeßig, oder nicht filmer ferfelt ist" soll nun in Berlin entschieden werden. Zu diesem Behuf hat ein vorbereitender Hauptausschuß, den die Zentralverwaltung für Volksbildung in der Sowjetzone im März 1946 einsetzte, dieser Tage Einladungen ergehen lassen. Von den vorgesehenen Konferenzteilnehmern haben die Erziehungsfachleute der britischen, amerikanischen und sowjetischen Besatzungsmacht ihr Erscheinen bereits zugesagt; weiter werden führende Germanisten deutscher Universitäten, Repräsentanten großer Verlagshäuser und Abgeordnete der Fachverbände der Schriftsteller, Drucker und Lehrer sowie sonstige interessierte Personen erwartet. Die Tagesordnung wurde in neunmonatige! Arbeit festgelegt. Man darf daher die Erwartungen hinsichtlich der Dauer der eigentlichen Konferenz, die unsere Rechtschreibung zur Unrechtschreib’ung wandeln will, recht hoch spannen. Und dabei wird man sich nur um ein paar Buchstaben streiten. Professor Wolfgang Steinitz, Mitglied des vorbereitenden Hauptausschusses, verkündet uns, um welche. Großbuchstaben werden nur noch bei Eigennamen, Personen und Orten angewendet, sonst sind sie abzuschaffen. "Ai" soll "ei", "Äu" soll "eü" werden (dies auch in Fällen wie zum Beispiel "sauber" – "seuberung"). Statt "ß" sollen wir "ss", statt "tz" "zz" schreiben, und "qu" soll durch "kw" ersetzt; werden. "X" und "chs" sollen dem "ks" weichen, "di" soll durch. "k" ersetzt werden, wenn es wie "k" gesprochen wird, und "v" durch "f" oder "w", je nach der Aussprache. Das "h" bei "rh" und "th" soll gleichfalls wegfallen. Noch radikalere Kreise verlangen die Streichung des Dehnungs-"h" und des Dehnungs-"e", die Verwandlung von "ä" in "e" gemäß dem Sprachgebrauch und die Verwendung von Doppelkonsonanten nur dort, wo sie wirklich gesprochen werden.

Diese Vorschläge seien eine Ausgleichung an die internationale Norm, schlössen Ausnahmen aus und seien im übrigen ja nur kleine Veränderungen mit allerdings weitreichendem Effekt – erklärt Professor Steinitz. Welche internationale Norm gemeint ist, wissen wir nicht. Engländer, Franzosen und andere abendländische Völker schreiben alle nicht, wie sie sprechen; aber sie verstehen sich doch! Hunderttausende deutscher Stenotypistinnen. Setzer und Drucker aber werden sich einige Jahre die Haare raufen. Hilfsschüler Karlchen schreibt dazu in neuer Art:

"Den Berliner forschlag als kwatsch zu bezeichnen ist ferfelt, filmer bringt di enderung und ihre einfürung selbst für seksjerige schüler schon eine risige fereinfachung. Nach feiern wird man fergeblich suchen. Nimand wird nur welche machen, weil wir es gleich richtig falsch lernen. Erger werden aber filleicht di haben, di in faters büchern lesen wollen und nun fast keinen sazz mer ferstehen. Alles falsch geschriben Wersirte eksperten werden uns di bücher der freier übersezzen. Wir rufen im kor: Fort mit der rechtschreibung, her mit der ,nun-erst-rechtschreibung‘, fom hochdeutsch zum höchstdeutscht! O. P. Ülzen