vom 23. Januar bis 29. Januar 1947

In London werden die Standpunkte der kleineren Länder zur Deutschland- und Österreich-Frage diskutiert, wobei vor allem die englischen Dominien dafür eintreten, daß den kleineren Staaten ein stärkerer bei den Verhandlungen eingeräumt wird.

Die USA brachten den Vorschlag ein, für Deutschland ein vorläufiges internationales Statut zu schaffen, das die deutschen Angelegenheiten regeln soll, -solange ein Friedensvertrag nicht einer deutschen Regierung vorgelegt werden kann. Die Sowjetunion indeß plädiert dafür, daß eine deutsche Zentralregierung den Friedensvertrag unterschreibt.

Australien ist der Ansicht, daß die Deutschen nicht fähig seien, sich selbst zu regieren, und daß darum Deutschland für die nächsten Jahre keine eigene Regierung haben-solle. Eine Zustimmung des deutschen Volkes zur allgemeinen Friedensregelung hält Australien nicht für nötig.

Südafrika brachte zum Ausdruck, daß man die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Deutschlands nicht übermäßig einengen dürfe, und warnt vor einer gebietsmäßigen Zerstückelung Deutschlands. Rheinland und Ruhr müßten bei Deutschland bleiben, zugunsten Polens dürfe kein Schnitt in das Herz Deutschlands getan werden.

Der polnische Außenminister verkündete ein 6-Punkte-Programm, das mit der Forderung auf Anerkennung der polnischen Westgrenze an der Oder und Neiße beginnt und mit dem Verlangen schließt, daß der Friedensvertrag mit Deutschland inmitten der Ruinen Warschaus unterzeichnet werden solle.

Holland fordert sechs Streifen deutschen Gebiets "in Übereinstimmung mit der geschichtlichen Entwicklung" der deutsch-holländischen Grenze, ferner die Ausschaltung des "unfairen Wettbewerbs der deutschen Seehäfen und der deutschen Währungspolitik", sowie die freie Benutzung des Rheins.