Die Friedensverträge mit Italien, Rumänien; Ungarn; Bulgarien und Finnland, die das Produkt zweier schwieriger Konferenzen sind, werden am 10. Februar in Paris offiziell unterzeichnet werden. 17 Wochen dauerten die intensiven Verhandlungen, geführt zuerst in Paris von den Vertretern der 21 Siegerstaaten, später in New York von den vier Außenministern der Großmächte, Als die berühmte Geduld Mr. Bevins zu ermüden und die Reizbarkeit Mr. Byrnes die Oberhand zu gewinnen schienen – der letztere erklärte, die Welt werde auch dann nicht untergehen, wenn es keine Friedensverträge geben sollte –, zeigte der sowjetische Außenminister Molotow größeres Entgegenkommen. und so wurden schließlich die Streitfragen entweder gelöst oder umgangen. Es ging dabei vornehmlich um die Verfassung von Triest, um die Freiheit der Donauschiffahrt, um den Abzug der satzungstruppen, um die Zukunft des rumänischen troleums und um die italienischen Kolonien.

In den meisten Fragen entstanden die Schwierigkeiten daraus, daß die Sowjetunion, die militärisch, politisch und wirtschaftlich vier von den fünf betroffenen Ländern kontrolliert, die starke Position, die sie dort, einnimmt, nicht auf Grund der Bestimmungen der Friedensverträge einzuschränken gewillt war. Immerhin machte Rußland eine Anzahl von Konzessionen, indem es sich zu Abstrichen von den am Beginn der Konferenzen von Molotow aufgestellten Forderungen bereitfand. Zweifellos gehen diese Forderungen, so wie sie von Molotow vor allem in Paris formuliert wurden, im Sinne russischer Interpretationsmöglichkeiten über die ursprünglichen Vereinbarungen hinaus, die von den siegreichen Großmächten noch während des Krieges getroffen worden waren und die die volle Unabhängigkeit sowie demokratische Organisation der sogenannten Satellitenstaaten vorsahen. Die sowjetischen Konzessionen lagen in der Zustimmung zur Freiheit der Donauschiffahrt, indem die Einberufung einer Donaukonferenz sechs Monate nach Inkrafttreten der Friedensverträge vorgesehen ist, während Rußland vorher beabsichtigt hatte, die Donau als Binnenverkehrsstraße in seinem Wirtschaftsraum zu beanspruchen. Ferner stimmte Molotow schließlich der Gleichberechtigung aller Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen in bezug auf Handel, Industrie, Schiffahrt und Luftverkehr mit den vertragschließenden Staaten zu, die nunmehr in den Friedensverträgen verankert und sogar durch die Einrichtung von Schiedsinstanzen gesichert worden ist;

Die Westmächte ihrerseits haben einer Erhöhung der italienischen und einer Verminderung der bulgarischen Reparationen gegenüber den in Paris ursprünglich getroffenen Beschlüssen auf Molotows Wunsch zugestimmt. Sie haben sich weiter verpflichtet, ihre Truppen 90 Tage nach der Unterzeichnung aus Italien zurückzuziehen, während die Sowjetunion die Besatzung in Bulgarien aufrechterhält und berechtigt bleibt, in Rumänien und Ungarn Truppen zum Schutz der Verbindungslinien zur Sowjetbesatzung in Österreich zu unterhalten.

Die wichtigsten Bestimmungen des Friedens mit Italien sind: Kleine Korrekturen zugunsten Frankreichs an der Westgrenze. Istrien wird an Jugoslawien und der Dodekanes an Griechenland abgetreten. Triest wird Freistaat, und seine Integrität und Unabhängigkeit wird durch den Sicherheitsrat der UNO garantiert. Italien verzichtet auf alle afrikanischen Kolonien, deren Schicksal bis zum 10. Februar 1948 festgelegt werden wird. Die italienische Flotte wird in Zukunft aus zwei Linienschiffen, vier Kreuzern, vier Zerstörern, 16 Torpedobooten und 20 Korvetten bestehen. Die Marine ist auf 23 500 Offiziere und Mannschaften beschränkt, Heer, Luftstreitkräfte und Grenzschutz sind auf insgesamt 185 000 Mann festgesetzt. Italien darf nicht mehr als 200 mittlere und schwere Panzer, 200 Kampf- und Aufklärungsflugzeuge und 1150 Maschinen für Transporte, Rettungswesen Und Ausbildungswesen besitzen. Italien hat innerhalb von sieben Jahren an die Sowjetunion Reparationen im Werte von 100 Millionen Dollar zu zahlen, weiter 260 Millionen Dollar insgesamt an Jugoslawien, Griechenland, Abessinien und Albanien. Italien verzichtet auf alle Schuldforderungen an Deutschland, die am 8. Mai 1945 noch nicht beglichen waren. Der Verzicht bezieht sich auch auf alle Schadenersatzforderungen, die mit den Kriegsereignissen in Verbindung stehen.

Im rumänischen Friedensvertrag ist festgelegt, daß die rumänisch-ungarische Grenze vom 1. Januar 1938 wiederhergestellt wird. Die Grenze zwischen der Sowjetunion und Rumänien wird dem sowjetisch-rumänischen Vertrag vom 28. Juni 1940 und dem sowjetisch-tschechoslowakischen Vertrag vom 29. Juni 1945 entsprechen. Das bedeutet, daß der Wiener Schiedsspruch außer Kraft gesetzt wird und im Westen Rumänien seine Gebiete bis zu den in Trianon festgelegten Grenzen zurückerhält, während es im Osten die 1940 zugestandenen Abtretungen an die Sowjetunion, die zum Verlust von Bessarabien und der Nordbukowina führten, bestätigen muß. Der sowjetisch-tschechoslowakische Vertrag ist erwähnt, weil vor dem Krieg die Tschechoslowakei Nachbar Rumäniens war, durch Abtretung der Karpatoukraine an die Sowjetunion aber jetzt ihre Grenze weiter nach Westen verlegt hat, so daß keine rumänisch-tschechoslowakische Grenze mehr besteht. Das rumänische Heer wird einschließlich Marine und Luftwaffe eine Stärke von 138 000 Mann haben. Die Luftstreitkräfte werden 150 Flugzeuge, davon 100 Kampfflugzeuge, jedoch keine Bombenflugzeuge, umfassen. Rumänien wird an die Sowjetunion Reparationen in Höhe von 300 Millionen Dollar in Sachwerten liefern. Die Klauseln über den Verzicht auf Forderungen an Deutschland sind die gleichen wie in den Verträgen, mit Italien, Ungarn, Finnland und Bulgarien.

Die ungarischen Grenzen mit Jugoslawien und Österreich werden auf den Stand vom 1. Januar 1938 – das heißt auf den Stand des Trianoner Friedensvertrages – zurückgeführt. Die Grenzen zwischen Ungarn und der Sowjetunion sowie zwischen Ungarn und der Tschechoslowakei erfahren Korrekturen zu Lasten Ungarns. Ungarn zahlt an die Sowjetunion 200 Millionen Dollar und an Jugoslawien und die Tschechoslowakei zusammen 100 Millionen Dollar Reparationen. Die Stärke der Streitkräfte darf in Ungarn 70 000 Mann betragen.

Für Bulgarien sind 65 000 Mann konzediert. Die Grenze vom 1. Januar 1941 bleibt bestehen, einschließlich der Süddobrudscha, – die es von Rumänien im Herbst 1941 durch den Vertrag von Crajowa auf Grund deutscher Vermittlung erhalten hat. Bulgarien zahlt an Jugoslawien 25 Millionen und an Griechenland 45 Millionen Dollar Reparationen.