Die Halde wird in der modernen Ökonomie "Wertmesser richtiger Kohlepolitik" genannt. Ihr Schwinden bedeutet genau so Alarmsignal wie ein Anschwellen über das normale Maß. Die derzeitige europäische Bergbausituation ist gekennzeichnet durch den Haldenschwund. Das gilt für die Ruhr in Deutschland, das gilt für das "Bassin de la Campine" und das "Bassin du Sud" in Belgien. Vor dem Krieg hielt sich der übliche belgische Kohlenvorrat auf 2.4 Millionen Tonnen. Im September 1946 erreichte er mit 278 000 Tonnen sein Tief.

Erscheinungen und Entwicklungen zeigen eine gewisse Ähnlichkeit mit den deutschen. Von 2,5 Millionen Tonnen monatlicher Förderung im Jahr 1939 sank man in Belgien nach Kriegsende auf 1,5 Millionen Tonnen. Die Beschäftigtenzahl fiel von 125 000 Bergarbeitern vor dem Krieg auf 85 000 im Januar 1945. 1938 betrug die Leistung pro Kopf 758 kg je Schicht, 1945 nur noch 485 kg. Gleichzeitig aber setzte die Regierung alles daran, durch energische Maßnahmen Industrie und Wirtschaft, deren Lebensnerv die Kohle ist, hochzureißen. Der Kohleverbrauch erreichte in kurzer Zeit wieder fast den Umfang normaler Jahre.

Vor Kriegsausbruch hielten sich in Belgien Kohlenexport und -import die Waage. Und es kam lediglich darauf an, einen gewissen Ausgleich solcher Qualitäten zu schaffen, die das Land nicht aufweist, derer die Industrie jedoch bedarf. 1946 übeiwog dann die Einfuhr bei weitem. Sie betrug im Dezember beispielsweise 300 000 Tonnen, die Ausfuhr knapp 80 000 Tonnen Durch umfassende Mobilisierungen von Arbeitskräften steigerte man nach und nach die Beschäftigtenzahlen, die vor allen durch die Heimkehr der Polen und Italiener gesunken waren Als Folge der italienischen Arbeitslosigkeit war es möglich 12 000 dieser Abwanderer zurückzurufen. Weiterhin wurden 37 000 deutsche Kriegsgefangene eingesetzt, von denen 36 500 unter Tage werken. Ende 1946 erreichte die Statistik mit 158 000 Beschäftigten – davon 112930 unter Tage – ihren Rekord.

Trotzdem blieben die Förderzahlen mit 570 bis 580 kg pro Kopf und einer Gesamtleistung zwischen 1,8 und 2 Millionen Tonnen monatlich auch 1946 noch weit hinter den Vergleichsziffern zurück. Die Überalterung des Stammpersonals, der Einsatz von Ungelernten und Berufsfremden, die Unlust der Jugend zur Arbeit vor Ort – die gleichen Symptome wie an der Ruhr – wirken auch hier hemmend. Auf je fünf Arbeitstage entfällt ein Leertag oder- in Prozenten ausgedrückt nur 80 v. H. der im Bergbau Gemeldeten sind durchschnittlich täglich anwesend. H. G.