In diesen Tagen erhielt eine Hamburger Stockfisch-Großhandelsfirma aus Port Harcourt in Nigeria (Westafrika) einen Brief. Er war als "dringend" gekennzeichnet, und man entschuldigte sich, daß man nicht früher geschrieben habe. Dann enthielt der Brief kurz und bündig die Anfrage: "Wieviel Ballen Stockfisch können Sie mir schicken und wie groß ist der Geldbetrag als Gegenwert? Ich werde Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie diesen Brief so schnell wie möglich beantworten können. Ich bin bereit, Auftrag auf so viele Ballen zu vergeben, wie ich kann

Man entsinnt sich also auch im Busch der großen Bedeutung, die Hamburg als Umschlagplatz für norwegischen Stockfisch nach Westafrika hatte, und empfindet dort die Lücke, die gegenwärtig durch die Ausschaltung des Hamburger Handels aufgerissen wurde. Das ist ein kleines Beispiel dafür, wie man sich in der Welt mit dem Hamburger Handel weiter verbunden fühlt und auf eine baldige Wiederanknüpfung der Beziehungen hofft

Wesentlich wichtiger sind jetzt allerdings noch die Rufe aus den deutschen Verbrauchergebieten nach Stockfisch, der früher gerade in diesen Monaten in Süddeutschland, im Rheinland und in Westfalen als ein besonders beliebtes Gericht auf den Tischen erschien. Leider hat Deutschland von der Produktion des Jahres 1946 an Stockfischen nichts abbekommen, denn sie ging zum überwiegenden Teil auf dem Wege eines Kompensationsgeschäfts nach Italien. Der Rest wurde nach Westafrika und hauptsächlich in westeuropäische Länder gegeben, so daß man bis auf einige hundert Tonnen ausverkauft ist.

Über die Erzeugung für 1947 wird in Kürze disponiert. Es wird zweckmäßig sein, daß für Deutschland ein Anteil sichergestellt wird. Die Vorzüge des Stockfisches sind mannigfaltig. Ein verhältnismäßig geringer Kostenaufwand, einfacher Transport, leichte Lagerung, ideale Reserve bei Versorgungsschwankungen und außerdem, eine hochwertige Nahrung sind Gründe genug, um sich des Stockfisches bei der Planung für die zukünftige Fischversorgung auch in Deutschland zu erinnern.

ap.