Von Herbert ^scritch

Wer gerettete Selbstmörder nach dem innersten Motiv ihres Entschlusses befragt, erhält fast immer die Antwort: Ein Weiterleben hätte für keinen Sinn mehr gehabt. Wo der einzelne freilich des jeweils konkreten Sinn seines Lebens ^suchen zu müssen glaubt, das ist eine Frage seines auf positive Weise eine solche Sinnfindung und Sinnverwirklichung in seinem Leben zuwege zu bringen, so stürzt er in die (vermeintliche) Selbstvernichtung hinein. Was wir für den stärksten Trieb halten: den Selbsterhaltungstrieb – einem stärkeren ist dieser Elementartrieb unterworfen: dem Verlangen nach Sinngebung. Ob der Selbstmörder sich dessen bewußt ist oder nicht, im tiefsten Grunde treibt ihn ein metaphysisches Unbefriedigtsein zu seiner Tat.

Wer das Menschenwesen ^wirklichkeitsgemäß zu erfassen vermag, kann darüber gar nicht erstaunt sein. Mit dem Physischen seines Leibes. hat der Mensch Anteil an der Wirklichkeits-Ebene des Mineralischen. Damit, daß die Welt des Stofflichen in ihm von einem Organismus vitaler Kräfte ergriffen und zum Dienst an der Erhaltung einer lebendigen Gestalt genötigt ist, hat der Mensch außerdem Anteil an jener Wirklichkeits-Ebene, die durch die Pflanze repräsentiert wird. Das Mineralische ist gleichsam nur Leib, das Sein der Pflanzen aber Leib und Leben: ihr Stoffwechsel zugunsten der Gestaltbewahrung ist dafür charakteristisch. Aber der Mensch hat nicht nur Leib und Leben, er nennt auch einen Organismus der Seele sein eigen. Wie er das Physische mit dem Mineralreich gemein hat and den Bios mit der Pflanze, so hat er die Psyche mit dem Tier gemein: das Tier ist Leib, leben und Seele. Seele ohne ein fortwährendes Einwirken des Geistes kann am reinsten in der Tierwelt studiert werden. Alle drei ^Wirklichkeits-Ebengen – die des Physischen, die des grellen ^des sich selbst genug, der Bios holt sich seine Nahrung aus der Welt der Elemente, die Psyche lebt von Empfindungen und begehrt starke emotionale Schwingungen, das menschenwürdige Ich hingegen muß zu aktiv erarbeiteter Sinngebung des Lebens vordringen, wenn es mit sich selber kongruent sein will: metaphysische Wirklichkeit ist seine Speise.

Lebt der Mensch nur für seine Ansprüche, die ihm Leib, Leben und Seele stellen, so bleibt sein wesentliches Merkmal, sein oberstes Wesensglied, der Unterernährung preisgegeben. Es entsteht metaphysische Impotenz. Das ist aberder Boden, auf dem sich – besonders von der kritischen Epoche der Lebensmitte an – Katastrophen vorbereiten: Zusammenbrüche, unwürdige Fluchten ^in Resignation, Zynismus und Nihilismus, Neurosen und am Ende gar Selbstmord-Unternehmungen.

"Ohne die jenseitige Welt ist die diesseitige ein trostloses Rätsel", sagt August Strindberg. Ohne ein Eindringen in die Überwelt, ins "Reich der Ursachen", kann Sinnfindung und-Sinnverwirklichung nie auf eine befriedigende Weise erlangt werden. Der Sinn des Lebens wird aus dem Geist-^gebet ins Diesseits-Dasein projiziert mit Hilfe jenes innersten und höchsten Organs im ^Men-^sehen. das ^selber seinen ^Urständ im Geiste hat. Dieses Organ ist nicht ^leicht ^aufer ^Krazart zu ^setzen wo es ^riefet ^dehie ^usd ^genome ^derdann wire setzt ^es sich auf verzerrte, ^abirrende Weise durch. Da ^es berufen ist, den Kosmos als ^Sinnge-^finansierung ^erkennen and das ^ebene Leben als ^uitaufdie intime ^Deadmeisten ^gegret. Alles Vergängliche wird ihm zum Gleichnis – es ist dem Orpheus verwandt: begrabene Gottheit wirc von ihm auferweckt aus dem Staub und den Steinen.

Eine Ahnung von den Signaturen, vom Orakelhaften des Weltgefüges, von einer wirklichen ^Gegenwart einer Realpräsenz – des Bedeutsamen in allem, was ihm vom Schicksal zugereicht wird, ist km Menschen eingeboren. Daher tastet ein jeder – zunächst oft spielend – nach einer Erschießung solcher Signaturen, und wo er nichts findet, das ausgelegt werden kann, da legt er unter. Ein Beispiel dafür sind die ^Gedankenspielereiendie sich an Willkürliches knüpfen, etwa: Wenn ich jetzt beim Schreiten auf einen Grenzstrich des Pflastermosaiks trete, dann droht mir ein bestimmtes Zukunftsgeschehnis, oder es wird ein bestimmter Glücksfall eintreten und dergleichen; Das kann sich bis zum Aberglauben, bis zur Zwangsneurose steigern. Nun sind aber – nach einem erleuchteten Ausspruch Hans Blühers – Neurosen "verpfuschte Sakramente". Was hier verzerrt und krankhaft erlelt und erlitten wird, ist recht eigentlich nur die Abirrung eines Wissens um tiefere Wahrheit.

Jeder Mensch ahnt zutiefst, daß es einen Sinn des Schicksals ^gibt – und wem es beschieden ist, friedlich zu ^sterben der erkennt vom Totenbett ^^wider zu hityler einer kilogram ^sen wer ihm ^manchen ^des linnenrder unvorbereitet ins Sterben eine ^Mitzartig sein ^Bewußtsein erfüllende panoraapokalyptisches, ein "enthüllendes triedrus ^wir dem Menschen dann zuteil.