General Clay hat für die amerikanische Zone entschieden, daß die Durchführung des Ein- und Ausfuhrprogramms den Ländern übertragen wird. Zusammen mit ihren Außenhandelskontoren werden die süddeutschen Wirtschaftsministerien die Anträge der deutschen Firmen prüfen, sobald diese das Geschäft selbständig bis zum Abschluß vorbereitet haben. Die Militärregierung beschränkt sich darauf, durch ihre Zweigstellen die endgültige Genehmigung zu erteilen.

Diese Regelung ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Es ist das erste Verfahren, das – bei aller Behinderung durch behördliche Kontrollen – nennenswerte Abschlüsse ermöglichen könnte und wohl auch in dieser Absicht eingeführt wurde. Doch blieb es, trotz Zwei-Zonen-Abkommen und Zwei-Zonen-Amt, einstweilen auf die amerikanische Zone beschränkt Die besonders stark außenhandelsorientierte britische Zone scheint sich also damit abfinden zu müssen, noch länger vom Weltmarkt abgeschnitten zu sein. Nachdenklich stimmt ferner, daß nirgends von einer Mitarbeit der zuständigen deutschen Stellen an dieser wichtigen... Neuerung die Rede war Auch von einem normalen Geschäftsverkehr mit dem Ausland, der nach dem anglo-amerikanischen Zwei-Zonen-Abkommen "sobald wie möglich" wieder aufgenommen werden sollte, kann vorläufig kaum gesprochen werden. Dabei ist eigentlich kein Grund ersichtlich warum er nicht gestern schon "möglich" war. Doch es ist ein Anfang und weitere Erleichterungen sind angekündigt.

Trotzdem hinterläßt die Nachricht eine gewisse Beunruhigung. Diese Außenhandelsregelung setzt eine wirtschaftlich in höchstem Maß widersinnige Entwicklung fort, die mit der Kapitulation her gönnen hat: die Dezentralisation des deutschen Außenhandels Als sich herausstellte, daß keine Zusammenarbeit zwischen den vier Siegermächten zu erreichen war, begann die amerikanische Militär--regierung auch für den Außenhandel ihrer Zone eine eigene Organisation aufzubauen. Bremen, als einzige amerikanisch besetzte Hafenstadt spielte hierbei eine Rolle; im übrigen mußte man sich, schon aus verwaltungstechnischen Gründen, auf die drei Länderregierungen stützen Da bis heute anscheinend keine Einigung mit der englischen Militärregierung über Beginn und Form des deutschen Außenhandels möglich war, bleibt es schon deshalb bei der Dezentralisation Es ist jedoch fraglich, ob die verwaltungstechnischen Gründe, die einzigen. ja ob sie auch nur die wichtigsten sind Dezentralisierung politisch, wirtschaftlich, geistig ist das Programm, der Amerikaner.

In der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrzehnte haben sich einzelne Zentren des Außenhandels in Deutschland herausgebildet, die meist mehr oder minder ausschließlich für bestimmte Branchen die Beziehungen des, ganzen Landes zur Welt wahrnahmen Hamburg und Bremen. Königsberg, Breslau. Berlin und Leipzig waren solche Städte mit einem Stamm von eingearbeiteten Im- und Exportfirmen. Mit Mühe und Opfern halten die Firmeninhaber heute ihren oft hochspezialisierten Stab zusammen, in der Hoffnung, eines Tages wieder ihre Arbeit aufnehmen zu können. Zur gleichen Zeit beginnen Firmen in der amerikanischen Zone mit dem komplizierten und risikoreichen Auslandsgeschäft. Während auf der eine Seite vorhandene Kapazitäten nutzlos verkümmern, wird auf der anderen Seite die mit Handelsfirmen ohnehin übersetzte deutsche Wirtschaft mit Neugründungen belastet. –

Aber das ist nur der erste Akt Wenn eines Tages die Wirtschaftseinheit und der freie Handel wiederhergestellt sein werden, dann wird das große Sterben beginnen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sich in der Mehrzahl der Fälle die alten Plätze irrt ihrem natürlichen Schwergewicht nach einem sehr harten und für beide Seiten sehr verlustreichen Kampf wieder durchsetzen viele der neuen Firmen-werden auf der Strecke, bleiben. Die süddeutschen Finanz- und Wirtschaftsminister haben guten Grund, der Entwicklung mit gemischten Gefühlen zuzusehen Nur die nächsten Monate versprechen Belebung des Handels und der Steuereingänge, für später droht Konkurrenz bis zum Konkurs. Auch ohne konjunkturelle Neugründungen wird der Wettbewerb, der Kampf um die Existenz, dann sehr hart sein, härter vielleicht als gut ist. Heute ist jedoch keine Gelegenheit zu echtem Wettbewerb, und jede Erweiterung des Handels ist nur vom Übel. H. F.–W.