Ach Freunde, warum sind wir keine Stoiker? Dann hätten wir es leichter, nichts Arges könnte uns mehr zustoßen, glücklich wären wir mit dem hungrigsten Magen, in der kältesten Wohnung glücklich ohne Gesundheit, ohne Liebe, ohne Bücher. Aber echte Stoiker müßten wir sein, wie Epiktet einer war, jener kränkliche Sklave aus Neros Zeiten, der aus der Hauptstadt Rom verbannt wurde und in Albanien Moral predigte. Lebte er unter uns, so hätte er es einfacher als wir. Barfuß, mit Stab, ärmellosem Leibrock und einem zerschlissenen Mantel sähen wir ihn durch unsere zerfallenen Städte gehen, Hunger und Kälte mit wahrhaft stoischem Gleichmut ertragend. Träfe ich ihn, so wäre ich um ihn besorgt, und folgendes Gespräch würde sich abwickeln:

– Epiktet, du mußt Schuhe anziehen, du erkältest dich in unserem Klima.

Er: Ich war bei einem Schuster. Ich habe nicht erhalten, was ich bedurfte!

– So mußt du dir Schuhe organisieren.’

Er: Das sei ferne. Ich habe meine Pflicht getan, und als einer der seine Pflicht tut, ging ich zum Schuster, nicht als einer, der Schuhe bekommen würde. So gehe ich weiter barfuß, wie es mir bestimmt ist.

– Du wirst krank werden, Epiktet.

Er: So werde ich die Krankheit weise ertragen. Ist jetzt die Zeit, krank zu sein, so soll es geschehen.