Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß mit dem Einzug Marshalls ins State Department der bisherige außenpolitische Kurs Washingtons einige Korrekturen erfährt. Dies vor allem auf zwei Gebieten: Argentinien und China. Die Ausführungen des Senators Vandenberg in Cleveland waren in dieser Beziehung ebenso aufschlußreich wie die Meldung des "New York Herald Tribune", wonach Marshall vor seiner Abreise nach Moskau erst den Konflikt zu lösen haben werde, der im State Department zwischen Unterstaatssekretär Braden und Botschafter Messersmith hinsichtlich der Argentinien gegenüber einzuschlagenden Politik entstanden ist. Während Vandenberg mit der Republikanern, großen Teilen der Schwerindustrie und auch der Navy auf eine Bereinigung des Verhältnisses zu Argentinien drängt und es als ein ausgesprochenes Versäumnis der USA-Politik bezeichnet, noch nicht die bereits im Mai 1945 versprochenen gesamtamerikanischen Besprechungen zur Aufstellung eines Verteidigungsplanes der West-Hemisphäre verwirklicht zu haben, vertritt Braden die Auffassung, daß die Einbeziehung Argentiniens, in diese Pläne so lange nicht in Frage komme, solange Argentinien seine Verpflichtungen von Chapultepec auf Ausmerzung nazistischer Einflüsse nicht erfüllt habe. Den Vorwurf, daß dies nicht geschehen sei, erhob in seiner Abschiedsrede von Cliveland auch Byrnes, und es ist nicht ausgeschlossen, daß die argentinische Frage bei seinem Ausscheiden mitgespielt haben mag. Indessen scheint nunmehr die Neigung, das Alibi Perons im Sinne von Chapultepec als erbracht und die Einwände gegen die Heranziehung Argentiniens als damit überholt zu betrachten, im State Department Oberwasser gewonnen zu haben. Die Entscheidung Marshalls wird daher wohl für Messersmith und nicht für Braden fallen.

Der Abbruch der Vermittlungsbemühungen der USA in China-Konflikt, ihr Austritt aus dem Dreierausschuß und die Zurückziehung ihres Personals aus dem Exekutiv-Hauptquartier dieses; Ausschusses in Peking besagt, daß Marshall die Konsequenzen aus dem Bericht gezogen hat, den er nach seiner Rückkehr aus China vorgelegt hat. Für Tschiangkaischek bedeutet dies den unmißverständlichen Hinweis, daß die USA die von Marshall in seinem Bericht beanstandeten reaktionären und fremdenfeindlichen Elemente in der Kuomintang ebensowenig zu tolerieren bereit sind wie die Extremisten im kommunistischen Lager. Da der Wunsch der Amerikaner auf eine entsprechende Bereinigung der Kuomintang und der Verwaltung der Zentralregierung offensichtlich nicht erfüllt worden ist, steht Tschiangkaischek jetzt vor der Frage, ob es nicht doch ratsam wäre, den Forderungen Marshalls nachzukommen.

H. A. v. Dewitz.