vom 30 Januar bis 5. Februar 1947

Bei den Verhandlungen der stellvertretenden Außenminister in London schält sich allmählich heraus, daß die Westmächte fast alle für ein föderalistisches Deutschland mit wirtschaftlicher Einheit sind, die östlichen Staaten dagegen wünschen, daß auch die politische Einheit Deutschlands wiederhergestellt wird.

Belgien fordert eine lange Besetzung Deutschlands ohne Angabe eines Endtermins, strenge Überwachung der Entmilitarisierung, eine bundesstaatliche Verfassung bei Wirtschaftseinheit und Reparationen aus der . laufenden Produktion. Beansprucht werden u. a. 6,6 Millionen Tonnen Kohle jährlich.

Kanada wünscht vorläufig keine deutsche Regierung, sondern ein internationales Statut. Die deutschen Grenzen sollen soweit wie möglich nach ethnischen Grundsätzen gezogen werden. Die Reparationen müßten. überprüft werden, unter Berücksichtigung der Industriekapazität und der Lebenshaltung. Deutschland dürfe nicht ein Zentrum wirtschaftlicher Depression bleiben.

Außer dem Ersatz für alle durch den deutschen Angriff entstandenen Schäden hält die norwegische Regierung auch Deutschlands Ausschluß vom Walfischfang für angemessen.

Die in London vorgetragenen Forderungen der Tschechoslowakei sehen u. a. folgende’Punkte vor: Benutzung des deutschen Eisenbahnnetzes für den Transitverkehr sowie des Fernsprech- und Telegraphennetzes auf dem Durchgangsweg durch Deutschland; Anrecht auf Freizonen in Hamburg und Bremen, freie Schiffahrt für tschechoslowakische Fahrzeuge auf Rhein, Elbe und Donau. Außerdem soll Deutschland die Tatsache anerkennen, daß die Rückführung der Deutschen aus der Tschechoslowakei endgültig ist.

Auch die Türkei verlangt Ersatz für Verluste, die sie während des Krieges durch deutsche Maßnahmen erlitten hat.