D ie Tatsache, daß bald in dieser, bald in jener Stadt des Westens, einmal in Wuppertal, dann in Düsseldorf, dann in Duisburg und jetzt in Essen, die Versorgung unzulänglich ist, scheint die Ansicht zu bestätigen, daß nicht allein Transportschwierigkeiten, sondern auch Organisationsfehler vorliegen müssen.

Hoffnungen auf eine grundsätzliche Besserung sind heute kaum mehr zu finden. Die Widerstandskraft der Menschen an der Ruhr ist so geschwächt, daß selbst der Wille zu sonst gern geglaubten Illusionen erlahmt. Die Gereiztheit nimmt zu und macht sich aus nichtigen Anlässen in heftigen Formen Luft, in Geschäften, der Straßenbahn, Büros oder Betrieben. Man hat nachgerechnet, daß monatliche Einfuhren von 300 000 t Getreide, wie sie allein für die britische Zone in den nächsten fünf Monaten zur Aufrechterhaltung der Ernährung notwendig sind, fast das Doppelte der monatlichen Höchsteinfuhren seit 1945 bedeuten. Man fürchtet auch, daß eines Tages die Gegenrechnung für die erhöhten Fleisch- und Fettzuteilungen, die im übrigen zum Teil noch gar nicht aufgerufen sind, präsentiert werden wird, oder daß die rapide absinkende Arbeitsleistung, deren Auswirkungen noch in Monaten spürbar sein werden, nicht gerade der rechte Auftakt zu der Wirtschafts- und Exportankurbelung des ersten Planjahres sind. Schließlich fragt man sich zweifelnd, wie\die jetzt verheißene, wenigstens partielle Nachlieferung der seit Monaten unvollständig verteilten Nährmittel ermöglicht werden soll, da nicht einmal für Brot genügend Getreide verfügbar ist, oder woher die rückständigen Kartoffeln kommen sollen. S-f.