Das Schicksal dieses Mannes bezeugt eins: die Seltsamkeit dieser Zeit. Irgendwo in Deutschland zog er aus – mit guten oder bösen Absichten – auf jeden Fall ausgerüstet mit Papieren und Kleidung, einem Mantel wahrscheinlich und einer Zigarette in der linken Hand. Niemand weiß genau, wo er so aufbrach und sein Leben endete in wenigen Zeilen eines Polizeiberichts. Er starb nackt im Schnee, ohne Namen, und man weiß auch jetzt nach mehreren Tagen noch nicht, wer er war.

Der Polizeibericht einer großen deutschen Stadt im britischen Besatzungsgebiet nahe der Zonengrenze nach Osten meldete: "Etwa 200 Meter vom Grenzgraben entfernt wurde die vollkommen unbekleidete Leiche eines etwa 35–40 Jahre alten Mannes. gefunden Er trug einen breiten, silbernen Ring mit den verschlungenen, lateinischen Buchstaben AW. Zeige- und Mittelfinger der linken Hand wiesen starke Nikotin-Rückstände auf." Die Untersuchung ergab, daß der Mann noch lebte, als er am Fundort zusammenbrach oder dort niedergelegt wurde: denn der Schnee unter ihm war etwas weggeschmolzen. Sonst waren keinerlei Anhaltspunkte zu finden.

Holzsammler, die die Kälte aus der Stadt hinausgescheucht hatte in die abgelegenen Gebüsche, fanden den Toten im Schnee. Er trug noch den Ring. Seine Kleidung war wertvoller... Ein warmer Mantel bringt heutzutage zuweilen mehr in Gefahr als ein Goldbarren einst, den jemand, allen sichtbar, durch die Menschenmenge trug! Eins ist sicher: auch die größten Raubtiere vermögen es nicht, sich einander den Winterpelz – den Schutz gegen die Kälte –, vom Körper zu reißen und ihresgleichen nackt durch die Winterstürme zu jagen. Dies vermag nur das Raubtier Mensch. –us