Von Michail Sostschenko

Wenn sich etwas Außergewöhnliches in der Welt ereignet hat – nun, sagen wir mal der Nordpol wurde erreicht oder irgendein Höhen--Weltrekord im Flugzeug errungen – dann fühlst du dich einerseits froh und gehoben, anderseits aber klein und unbedeutend: ein Häufchen Erde nur, das den Wohlgeruch von der Nachbarin Rose empfing. Einerseits schlägt dein Herz schneller vor Freude über solche großartigen Siege und solche weltbedeutenden Errungenschaften. Anderseits wiederum wird es dir so weh zu Matt daß es so Großes und Bedeutendes nicht auch auf unserem, wie man so sagt, dem literarischen Parnaß gibt.

Ja, du leidest, weil du Parnaßjünger auch so etwas Einmaliges, Nutzenbringendes und unserer Zeit Würdiges leisten möchtest, wie es zum Beispiel die Flieger nicht selten vollbringen. Aber schließlich gibt es, bildlich gesprochen, auch auf unserem Parnaß Höhenrekorde. Vielleicht sind sie nicht ganz so grandios wie bei jenen. Vielleicht auch fehlt es uns nur an so genauen Meßapparaten, wie sie die Flieger haben Und man kann daher auch nicht ohne weiteres erkennen, wer wohin geflogen ist und auf welcher Höhe er sich befindet.

Denn bei denen im Flugzeug wird alles gleich mühelos von Apparates registriert: die und die Höhe, die und die Temperatur, soundsoviel Ölverbrauch und so weiter. Der Flieger fliegt und sieht gleichzeitig, was mit ihm los ist Ach! Es ist zu ärgerlich, daß wir Parnaßjünger nicht auch solche Gerätschaften haben! Der Kritiker freilich ist schon so etwas wie ein Meßgerät! Aber die seelenlose Maschine ist ein Ding, und der Mensch mit seiner zarten Seele, zu Erkältungen, Schnupfen und Niesen und schlechter Laune neigend, ist ein anderes.

Nehmen wir doch an, einer von uns ist mit seinem Pegasus bis in den Himmel hinauf geflogen. Ringsherum steht Dichternebel Poetische Wölkchen schweben. Plötzlich ruft da irgendein Zuschauer, durchs Fernrohr blickend: "Schaut doch nur, wohin der sich hinaufgeschraubt hat! Nicht einmal Balzac hat sich so hoch hinauf gewagt!"

Und gleich gibt’s natürlich Meinungsverschiedenheiten unter dem Publikum.

"Ja", sagt der eine, "fliegen tut er ja, aber ganz unkünstlerisch!"